Sport : 58 Tage Motivation

Mark Bult trifft mit den Füchsen in der Champions League auf Kurzzeitbekannte

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Aggressiv zurückhaltend. Mark Bult (l.) von den Füchsen Berlin bremst gern gegnerische Angreifer – vor allem heute gegen seinen alten polnischen Klub aus Kielce. Foto: p-a/ZB
Aggressiv zurückhaltend. Mark Bult (l.) von den Füchsen Berlin bremst gern gegnerische Angreifer – vor allem heute gegen seinen...Foto: picture alliance / ZB

Berlin - Für genau 58 Tage war Mark Bult ein Kielcer. „Eine schöne kleine Stadt, in der ich mich gleich sehr wohl gefühlt habe. Unser Nachbar sprach zudem Englisch, auch das war perfekt“, berichtet der holländische Handballer in Diensten der Füchse Berlin. Nur sportlich wurde der eigentlich langfristig geplante Trip nach Polen für den 29-Jährigen zu einer riesengroßen Enttäuschung. So groß, dass sich Bult für die Champions-League-Heimpremiere der Berliner gegen KS Kielce in der Schmeling-Halle (17.30 Uhr, live bei Eurosport) nur eines wünscht: „Das Beste wäre, wir fegen Kielce aus der Halle. Ein Sieg mit einem Tor reicht mir aber auch.“

Seinen Frust hat Bult noch immer nicht überwunden, obwohl das Geschehene schon mehr als ein Jahr zurückliegt. Vor allem von Trainer Bogdan Wenta, der 50 Länderspiele für Deutschland bestritt, polnischer Nationaltrainer ist und seit 2008 in Kielce arbeitet, ist er immer noch tief enttäuscht. „Erst wollte er mich unbedingt haben, dann aber auch ganz schnell wieder loswerden“, sagt Bult, der zunächst einen guten Start erwischte und spielte. Als sich allerdings Mariusz Jurasik, sein Kontrahent auf der halbrechten Rückraumposition, beschwerte, habe sich die Situation geändert. Bult sagt: „Ich wollte mit Kielce in der Champions League spielen, das war mein Traum. Dass ich mit den Füchsen, die mich glücklicherweise wieder aufgenommen haben, nun ebenfalls die Möglichkeit dazu habe, war ja keinesfalls absehbar.“

Das Spiel der Füchse gegen Kielce, das von den französischen Topschiedsrichtern Nordine Lazaar und Laurent Reveret geleitet wird, ist für Mark Bult und die Berliner eine große Aufgabe, obwohl der Gegner im eigenen Land hinter Wisla Plock zuletzt nur Vizemeister geworden ist. „Die haben sich ja nochmal verstärkt, mit Torhüter Slawomir Szmal und Grzegorz Tkaczyk von den Rhein-Neckar Löwen sowie Denis Buntic und Thorir Olafsson“, sagt Bult.

Auch Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson schätzt den Gegner, der zum Auftakt der neuen Champions-League-Saison in eigener Halle gegen MKB Veszprem 25:29 unterlag, als sehr stark ein: „Kielce ist nun noch zusätzlich motiviert.“ Die Füchse haben schließlich nach ihrem 31:31 bei Medwedi Tschechow schon einen Auswärtspunkt gesammelt. Zwar gibt auch Bult nach der Videoanalyse dieses Spiels zu, dass „Kielce sich sehr viele technische Fehler geleistet“ hat und „offensichtlich noch nicht richtig eingespielt“ ist, aber er weiß auch um die Euphorie, die dieses Team begleitet. „Die Menschen in Kielce lieben Handball, dort sind die Spieler wahre Helden. Auch eine Niederlage kann sie davon nicht abbringen. Die meisten Fans in der 4000 Zuschauer fassenden ,Hala’ haben Dauerkarten“, sagt Bult. Vor allem an Kreisspieler Rastko Stojkovic, derzeit mit 62 Toren bester Werfer beim polnischen Tabellenführer, haben sie große Freude. „Ihn kenne ich noch aus meiner Zeit in Nordhorn“, berichtet Bult.

Für Mark Bult aber zählen schon lange nur noch die Füchse, obwohl in ihm das Thema Kielce nun wieder ein wenig hochkommt. „Wenn es nach mir ginge, würde ich sehr gern den zum Saisonende auslaufenden Vertrag in Berlin verlängern“, sagt er. Gerade ist Bult auch Kapitän der niederländischen Nationalmannschaft geworden, die zunächst gegen Finnland und im Siegfall gegen Estland um einen Play-off-Platz für die Europameisterschaft im Januar in Serbien spielt. Es laufe jedenfalls derzeit sehr gut, er bekomme bei den Füchsen viele Einsatzchancen. Anders als zuletzt in Kielce.

Zu gern würde er gegen Kielce auch die möglichen Siebenmeter werfen, was bei den Füchsen in der Regel mit großem Zittern und zu oft mit Misserfolg verbunden ist. „Ich bin gegen Kielce unglaublich motiviert“, sagt Bult. Die 58 Tage in der Stadt, die etwa 100 Kilometer nordöstlich von Krakau liegt, haben den ruhigen, sympathischen und mit seiner Zwei-Meter-Statur Respekt einflößenden Linkshänder ziemlich verändert. Es scheint, er habe noch eine Rechnung offen.

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