Sport : 60 Minuten bis zur Meisterschaft

Die Eisbären Berlin gewinnen auch das zweite Finalspiel und können in Wolfsburg den Titel holen

Ron Ulrich
Die Grizzlys sind am Boden. Wolfsburgs Torwart Jochen Reimer (rechts) hält zwar in dieser Szene den Puck vor dem Eisbären-Stürmer Andre Rankel (hinten). Aber das Spiel gewannen die Berliner und stehen damit kurz vor dem Titelgewinn.
Die Grizzlys sind am Boden. Wolfsburgs Torwart Jochen Reimer (rechts) hält zwar in dieser Szene den Puck vor dem Eisbären-Stürmer...Foto: dapd

Berlin - Die Eisbären trennt nur ein Schritt noch von der Meisterschaft. Nach dem 5:4 (1:1, 2:1, 2:2) im zweiten Finalspiel der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gegen Wolfsburg führen sie in der Best-of-five-Serie mit 2:0. Es war an einem, der das Pech in diesen Play-offs gepachtet hatte, nun den Sieg einzuleiten: Sven Felski reckte die Arme hoch, das 4:3 neun Minuten vor dem Ende war der Knackpunkt in einem Spiel, das an die Nerven der 14 200 Zuschauer in der Arena am Ostbahnhof ging.

Wolfsburg stand nach der Heimniederlage in der Bringschuld, doch auf Attacke von Beginn an verzichtete das Team von Trainer Pavel Gross. „Es wird auf Kleinigkeiten ankommen, auf die entscheidenden Zweikämpfe“, sagte Gross vor der Partie. Disziplinierte Härte war die Losung für das Aufeinandertreffen, denn gerade die Eisbären wollten Zeitstrafen und damit das Unterzahlspiel vermeiden. Warum, das wurde in der achten Minute deutlich. Sven Felski bekam wegen Stockschlags zwei Minuten und Wolfsburg die Chance, in Überzahl seine spielerische Klasse zu demonstrieren. Wie durch einen Magnet angezogen wanderte der Puck von einem zum anderen, dann schleuderte er nach einem Abpraller durch die Luft, Ken Magowan nahm ihn aus der Luft, legte ihn sich mit der Hand vor und vollstreckte zum 1:0 für die Gäste. War der Wolfsburger Top-Torjäger Magowan im ersten Spiel noch weitgehend abgemeldet worden, so setzte er nun das erste Highlight der Partie.

Doch es gehört zu der Stärke der Eisbären in dieser Saison, Rückschläge nonchalant zu beantworten. Keine zwei Minuten später bewies Steve Walker mit einem Pass auf Florian Busch Übersicht und Busch seine Abgeklärtheit, indem er Wolfsburg Torhüter Jochen Reimer den Puck durch die Beine jagte – Ausgleich.

Der so gefürchtete Magowan saß zu dieser Zeit auf der Strafbank – und vom gleichen Ort sah er auch die 23. Minute: Der Berliner Jim Sharrow zog von der blauen Linie ab, der Puck schlug ins rechte Eck ein, 2:1. Magowan hatte auf ungewöhnliche Weise entscheidenden Anteil und die Eisbären in ungewöhnlicher Weise zwei Mal in Überzahl getroffen. Vier Minuten später baute André Rankel die Führung auf 3:1 aus, doch wie schon im Halbfinale gegen Düsseldorf fingen sich die Berliner umgehend den Anschlusstreffer; Christopher Fischer traf für Wolfsburg. Berlin hatte nun zwar Überhand, konnte aber aus mehrmaligen guten Gelegenheiten kein Kapital schlagen. Richie Regehr traf die Latte, Steve Walker verpasste aus kürzester Distanz. Die Vorentscheidung war vertan, so wurde es ein echtes Nervenspiel.

Nicht einmal eine Minute im dritten Drittel war vorbei, da lenkte Eisbären-Torhüter Rob Zepp einen Schuss von Norm Milley ins eigene Tor – 3:3 nach 3:1, eine Dublette des Halbfinales gegen Düsseldorf. Die Anspannung war mit Händen zu greifen, auf den Rängen und auf dem Eis. Drittes Drittel, jetzt würden die von Pavel Gross angesprochenen Kleinigkeiten entscheiden.

Und es war an dem, der sich wohl seinen besonderen Moment in den gesamten Play-offs für diese Minuten aufgehoben hatte: Sven Felski, bisher ohne Tor und Fortune, mit unzähligen Strafen, bekam in der 51. Minute halbrechts vor dem Wolfsburger Tor ein Zuspiel von Jeff Friesen. Felski hielt drauf, Reimer wehrte den Puck ab, der sich vor ihm in der Luft drehte. Gedankenschnell hielt Felski den Schläger hin, und der zweite Versuch saß: 4:3, die erneute Führung.

Die Wolfsburger gingen nun in die Offensive, die Eisbären verteidigten mit Engagement und Glück. Die Scheibe ging um Zentimeter am Tor von Rob Zepp vorbei, Wolfsburg verzweifelte. Und dieser Umstand steigerte sich endgültig in der 56. Minute, als Florian Busch zum 5:3 einschoss. Die Vorentscheidung. Das abschließende 5:4 durch Blake Sloan war nur Makulatur.

Die Eisbären sind nur noch einen Sieg vom Titelgewinn entfernt, am Dienstag können zum Spiel in Wolfsburg schon Sektflaschen in das Gepäck aufgenommen werden.

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