Sport : 7:0? Oder doch 8:0?

Wie Michael Ballack mit Chelsea triumphierte

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Die „Chelsea FC Brass Band“ spielte schon vor dem Anpfiff den Meistermarsch. Es war längst klar, dass die Blauen am Sonntag die Musik machen würden. Nach nur sieben Minuten konnten dann auch 40 000 Fans an der Stamford Bridge mitsingen. „We’re gonna win the league, we’re gonna win the league“, wir gewinnen die Liga, schallte es von den Tribünen, als Nicolas Anelka den Wigan-Torwart Michael Pollitt überwand. Es war der Auftakt zu einem furiosen finalen Sturmlauf auf die Meisterschaft, den Chelsea mit einem 8:0-Kantersieg über Wigan beendete und damit die erste Meisterschaft seit 2006 feiern konnte.

Bereits nach einer halben Stunde waren das Spiel und damit die Saison vorzeitig entschieden. Wigan-Verteidiger Gary Caldwell brachte im Strafraum Frank Lampard zu Fall; Schiedsrichter Martin Atkinson wertete die Aktion als Notbremse und stellte Caldwell vom Platz. Lampard verwandelte locker zum 2:0. Im weiteren Verlauf trafen dann noch Salomon Kalou, Nicolas Anelka, Ashley Cole und Didier Drogba, der insgesamt drei Treffer erzielen konnte. Damit sicherte sich der Ivorer auch gleichzeitig die Torjägerkrone der Premier League. Am Ende kam Drogba auf 29 Tore in dieser Saison.

„Es ist fantastisch, dass wir so viele Tore geschossen haben und die Saison mit einem 7:0 abgeschlossen haben – oder war es 8:0?“, fragte Michael Ballack. Bei seiner Auswechslung wurde er mit stehenden Ovationen verabschiedet, auch Roman Abramowitsch klatschte in der Loge zufrieden. Der 33-jährige Ballack konnte seinen fünften nationalen Meistertitel bejubeln: mit dem 1. FC Kaiserslautern 1998, mit Bayern München 2003, 2005 und 2006 – und nun erstmals im Ausland. Ob der Nationalmannschafts-Kapitän nach der WM weiter an der Fulham Road spielen wird, soll sich im Anschluss an das Pokalfinale gegen Portsmouth am nächsten Samstag entscheiden. Nicht wenige deuteten Ballacks Auswechslung allerdings als eine Geste Ancelottis, damit sich der Deutsche von den Fans der Blues verabschieden konnte. „Chelsea-Eigner Roman Abramowitsch hat entschieden, Vertragsverhandlungen erst nach Saisonende zu führen. Ich will das nicht bewerten und als Spieler muss man das akzeptieren“, sagte Ballack später und ergänzte mit Blick auf die WM-Vorbereitungen: „Zeitlich wird alles etwas knapp, aber ich denke, es wird sich eine Lösung finden.“

Der dritte Heimsieg mit mindestens sieben erzielten Toren seit Ende März unterstrich, dass Chelsea die Meisterschaft unter dem Italiener Carlo Ancelotti mit schwungvollem Angriffsfußball gewonnen hat; zur bewährten Kampfstärke der „Blues“ hat sich eine Menge Flair gesellt. Dementsprechend gefeiert wurde die Mannschaft in der englischen Presse: „So gewinnt man Titel – mit Stil“, jubelte das Boulevardblatt „Mirror“, und der „Independent“ befand schlicht: „Die Mannschaft des Jahres.“

Die Londoner konnten in einer insgesamt etwas schwächeren Liga ihr Niveau noch verbessern, während Manchester United von einer Frühlingskrise heimgesucht wurde. „Eine schlechte Woche“ habe sein Team die Saison gekostet, klagte Alex Ferguson. In Wahrheit waren es zehn Tage: United schied gegen Bayern München im Champions-LeagueViertelfinale aus, verlor zu Hause gegen Chelsea und spielte dann bei den Blackburn Rovers nur remis. „Die Meisterschaft gleitet uns aus den Händen“, sagte der Schotte damals. Er sollte recht behalten.

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