7. Wettkampftag : Was in der Nacht geschah: große Gefühle und Betablocker

Jeden Morgen um acht hier: die Zusammenfassung der Wettkämpfe der Nacht. Heute mit Gold Nummer eins für Steffen, Gold Nummer sechs für Phelps sowie den Dopingfällen Nummer drei und vier.

Jörg Leopold

Es war das Rennen ihres Lebens: Britta Steffen gewann über 100 Meter Freistil der Frauen die erste deutsche Schwimmgoldmedaille bei Olympia seit 1992. Und das nach einem unglaublichen Verlauf. Nach der Hälfte der Strecke lag Steffen noch auf dem letzten Platz. Doch nach der Wende drehte die 24-Jährige von der SG Neukölln auf und kämpfte sich Platz für Platz nach vorn. Am Ende schlug sie als erste in neuer olympischer Rekordzeit an und konnte anschließend ihr Glück kaum fassen. Von der Freude über ihren Triumph überwältigt, fiel sie ARD-Expertin Franziska van Almsick um den Hals, bevor sie beinahe in Trance Sätze wie diesen regelrecht hervorstieß: "Ich freue mich, dass die Finals schon am Mittag sind. Dann kann man noch den ganzen Tag Olympiasieger sein."

Ganz cool schwamm hingegen Michael Phelps zu seinem sechsten Gold in Peking. Von Anfang an ließ er der Konkurrenz über 200 Meter Lagen keine Chance und nahm nach dem Sieg einen weiteren Weltrekord fast schon routiniert zur Kenntnis. Auch in den beiden weiteren Entscheidungen im Schwimmstadion gab es die obligatorischen Weltrekorde - beide Male durch US-Starter. Rebecca Soni entschied die 200 Meter Brust der Frauen für sich und Ryan Lochte die 200 Meter Rücken bei den Männern. Berlins Rafed El-Masri verpasste über 50 Meter Freistil den Sprung in den Endlauf. In seinem Halbfinale wurde er nur Letzter. Sein Trost: Er schwimmt im selben Verein wie Olympiasiegerin Steffen.

Sack im Pech, "Arschtritt" für Unger

Für die deutschen Leichtathleten begann der erste Wettkampftag im Olympiastadion gleich mit einer Enttäuschung. Kugelstoßer Ralf Sack scheiterte bereits in der Qualifikation. Sein bester Versuch von 20,01 Meter reichte nur für Platz 13. Zum für das Finale notwendigen zwölften Rang fehlte ihm ein winziger Zentimeter. Weitaus mehr Glück hatte 100-Meter-Sprinter Tobias Unger. Trotz schwacher Leistung überstand er geradeso die erste Runde seines Wettbewerbs. Nach seinem Vorlauf sprach er von einem "Arschtritt" zur rechten Zeit. Markus Esser zog unterdessen in der Hammerwurf-Qualifikation mit der siebtbesten Weite aller Teilnehmer in das Finale am Sonntag ein. Aktuell läuft im "Vogelnest" der Siebenkampf mit drei deutschen Frauen. Am Nachmittag werden dann im Kugelstoßen der Männer und über die 10000 Meter der Frauen die ersten Leichtathletik-Medaillen vergeben.

Zwei Entscheidungen fielen am Morgen im Turnen und im Schießsport. Nastia Liukin, Amerikanerin mit russischen Wurzeln, gewann den Mehrkampf vor Landsfrau Shawn Johnson und der Chinesin Yilin Yang. Oksana Chusovitina landete für Deutschland auf einem ordentlichen neunten Rang. Ohne deutsche Beteiligung wurden die Medaillen im Kleinkaliber-Schießen vergeben: Mike Eckhardt (24.) und Michael Winter (31.) verpassten das Finale. Gold holte der Ukrainer Artur Aiwasijan.

Im Turnen und Schießen gab es zudem die Dopingfälle drei und vier dieser Spiele. Erwischt wurden eine Vietnamesin und ein Nordkoreaner. Der sah bei seinen Medaillengewinnen mit der Pistole so cool aus, weil er sich mit Betablockern vollgestopft hatte. Wir lernen daraus: Doping hat in jeder Sportart seinen Platz.

Was noch kommt: Kanu und Fußball

Im Laufe des Tages könnte das Medaillenkonto der deutschen Mannschaft weiter anwachsen. Vielleicht gelingt dem Canadier-Zweier Michel/Piersig im Kanuslalom der ganz große Coup im chinesischen Wildwasser. Sie gehen als Führende in das Finale. Auch Jennifer Bongardt zählt im Einer-Kajak zu den Mitfavoriten. Im Judo ist der Traum von Gold für Deutschland hingegen schon ausgeträumt: Sowohl Sandra Köppen-Zuckschwerdt als auch Andreas Tölzer haben jeweils ihren ersten Kampf verloren und können maximal noch Bronze holen.

Am Nachmittag geht es dann für die Weltmeisterinnen um Birgit Prinz im olympischen Fußballturnier um den Einzug ins Halbfinale. Sie treffen ab 15 Uhr auf Schweden. In unserem Live-Ticker verpassen Sie keinen Spielzug.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben