Sport : 70 Minuten Melbourne

Von einer mysteriösen Krankheit geschwächt, scheitert Florian Mayer bei den Australian Open in Runde eins

Alexander Hofmann[Melbourne]

So hatte sich Florian Mayer das nicht vorgestellt: Nach nur 70 Minuten endete sein Auftritt bei den Australian Open des Jahres 2005. Mit 1:6, 2:6, 0:6 verlor Mayer sein Erstrundenspiel gegen den US-Amerikaner James Blake und beendete damit eine traurige Tennisreise nach Melbourne. Eine mysteriöse Krankheit hat dem Aufsteiger des Vorjahres den Beginn der neuen Saison restlos verdorben.

„Ich habe nur drei Spiele gewonnen. Das ist so schlecht“, sagte Mayer. Völlig geschwächt hatte er sich gegen James Blake über Court 3 im Melbourne Park geschleppt, zu keiner Zeit hatte er auch nur so etwas ähnliches wie eine Siegchance. „Ich will meine Leistung nicht schön reden, aber meine Beine waren schwer und ich hatte keinen Rhythmus“, sagte Mayer nach dem Spiel. „Außerdem war ich auf dem Platz ein bisschen weggetreten.“

Der 21 Jahre alte Deutsche war besonders betrübt, weil er nach einer dreiwöchigen Pause zum Ende der Saison im Training nach eigener Einschätzung in Superform war. „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll“, erklärte Mayer, bevor er doch noch Worte fand. „Ich hatte mir viel für Australien vorgenommen, das Ergebnis ist jetzt doch sehr enttäuschend.“ Bei den Turnieren in Adelaide, Sydney und Melbourne in den vergangenen Wochen gewann er lediglich ein Spiel. Jetzt müsse er zunächst einmal rausfinden, was er eigentlich für eine Krankheit habe, erklärte Mayer. Er gehe aber davon aus, dass es „nichts Schlimmes“ sei. Mayer erzählte, dass es ihm schon seit dem langen Flug nach Australien vor vier Wochen schlecht gehe. Er habe kaum richtig trainieren können und sei ständig müde und schlapp. „Das heißt aber nicht, dass ich in diesem Jahr nicht noch genauso gut spielen konnte wie letztes Jahr oder sogar noch besser“, sagte der Franke.

2004 hatte Florian Mayers Aufstieg von der Nummer 254 bis auf Rang 35 der Weltrangliste bei den Australian Open in Melbourne begonnen. Damals hatte er sich durch die Qualifikation gekämpft und erstmals im Hauptfeld eines Grand-Slam-Turniers spielen dürfen. Wenige Monate später erreichte er sensationell das Viertelfinale in Wimbledon.

Nicht zuletzt deshalb wollte der 21-Jährige bei den Australien Open auch unbedingt spielen, eine Absage seiner Teilnahme hatte der geschwächte Mayer nie ernsthaft in Erwägung gezogen. „Ich denke nicht darüber nach, ob ich lieber nicht gespielt hätte“, sagte er. „Ich wollte unbedingt hier antreten.“ Er räumte zwar ein, dass seinen hervorragenden Ergebnissen im Vorjahr für ein „bisschen Druck von außerhalb“ gesorgt hätten. Dies habe aber nichts mit der enttäuschenden Vorstellung gegen James Blake zu tun, während der er sich in 21 Spielen 27 unerzwungene Fehler leistete.

Einen kleinen Anlass zur Freude gab es dennoch für Mayer, denn sein Oberhachinger Trainingskollege Philipp Kohlschreiber gewann sein Match gegen den Dänen Kenneth Carlsen überraschend deutlich 7:6 (7:2), 6:2, 6:1. „Es hilft, wenn man sich gegenseitig nach vorne treibt“, sagte Mayer über den Erfolg von Kohlschreiber. Der 21-jährige Bayer trifft in der zweiten Runde auf den Olympiasieger Nicolas Massu aus Chile. Und er hat nicht vor, sich dabei mit einer knappen Niederlage ehrenvoll aus Melbourne zu verabschieden: „Es wird Zeit, dass ich auch mal so einen rausnehme“, sagt Kohlschreiber.

Diesen Anspruch hat Florian Mayer momentan nicht. Für ihn wird es erst einmal Zeit, dass er die ständige Müdigkeit los wird. Denn es stehen die Hallenturniere in Europa und der Daviscup in Südafrika an. Vielleicht gibt ihm die Genesungsphase die Gelegenheit, seine Situation und die Auswirkungen seines rasanten Aufstiegs einmal in Ruhe zu analysieren. „Es ist alles Alltag geworden“, sagt Mayer. „Aber ich bin immer noch froh, dass ich bei einem Turnier wie den Australian Open mitspielen darf.“ Selbst wenn es nur 70 Minuten sind.

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