70 Minuten Nachspielzeit : Hat Herthas Ramos Konditionsprobleme?

Es ist schon auffällig: Adrian Ramos kann in dieser Saison meist nur in den ersten 20 Minuten glänzen. Es scheint so, als sei Herthas Kolumbianer aufgrund der vielen Reisen zur Nationalmannschaft müde.

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Mit letzter Kraft. Adrian Ramos (links) wurde zuletzt mit zunehmender Spieldauer immer schwächer.
Mit letzter Kraft. Adrian Ramos (links) wurde zuletzt mit zunehmender Spieldauer immer schwächer.Foto: dapd

Berlin - Diesmal darf Adrian Ramos herhalten als Werbeträger für Herthas nächstes Heimspiel am Sonnabend gegen Bayer Leverkusen. Auf den Plakaten schlägt sich der Angreifer des Berliner Bundesligisten auf die Brust. „Wir kämpfen mit Herz“, ist daneben zu lesen. „So entschlossen wie Berlin.“ Das mit dem Herz lässt sich dem 25 Jahre alten Kolumbianer nicht absprechen. Aber Entschlossenheit? Die sah auf dem Platz zuletzt bei Ramos anders aus als auf dem Plakat. In Freiburg hätte er am vergangenen Sonnabend mit gleich zwei sehr guten Torchancen das Spiel für Hertha entscheiden können. Doch am Ende standen die Berliner nach einer 2:0-Führung nur mit einem Punkt da. Ramos sagt, er habe sich sehr über das 2:2 in Freiburg geärgert. „Ich habe zwei Mal nicht die richtige Entscheidung vor dem Tor gefällt und somit unsere Chance auf den Sieg vergeben.“

Was soll der neben dem Platz oft eher schüchtern wirkende junge Mann auch anderes von sich geben? Große Töne sind jetzt nicht angesagt, dafür läuft die für Hertha gut laufende Saison für Ramos bisher zu mäßig. Eigentlich war Adrian Ramos als einer vorgesehen, der spielerischen Glanz versprühen kann. Seine 15 Treffer in Herthas vergangener Zweitliga-Saison sind nun aber eine Hypothek für ihn geworden. Von Herthas 14 Bundesligaspielen konnte er nur elf bestreiten, drei Tore gelangen ihm dabei. Sie fielen allesamt binnen der ersten 20 Spielminuten, was nur belegt, was diese Saison oft zu sehen war: Mit fortschreitendem Spiel ist immer weniger Gelungenes von Ramos zu bestaunen. Beim 1:2 in Bremen zum Beispiel sah er in der zweiten Halbzeit Gelb-Rot, beim 0:0 gegen Mainz wurde er nach schwacher Leistung ausgewechselt und gegen Freiburg vergab er seine Chancen.

Hat Adrian Ramos ein Konditionsproblem? Das liegt nahe, schließlich hat er im Gegensatz zu den Kollegen im Sommer nur drei Wochen geurlaubt, weil er für Kolumbien in der Copa America spielte. Doppelbelastung Nationalmannschaft – zuletzt spielte er für seine Heimat am 15. November gegen Argentinien in der WM-Qualifikation. Wie verdaut er das? Südamerika ist ja nicht um die Ecke. Adrian Ramos sagt: „Am ersten Tag nach der Rückkehr bin ich immer sehr müde, erst nach zwei Tagen ist die Müdigkeit weg.“ Aber das Thema mag er nicht so sehr, schließlich sei es eine Ehre, für die Nationalmannschaft zu spielen. Andere machen es auch, also muss es gehen. Aber es stimme schon, er sorge sich um seinen Körper. „Meine Gesundheit ist nicht die beste.“

Am Mittwochmorgen war Adrian Ramos wieder einmal beim Arzt. Diesmal war es ein Furunkel am Oberschenkel, das entfernt werden musste, vor einigen Wochen quälte ihn eine Zyste am Gesäß. Ungewöhnliche Verletzungen. Diesmal könnte ein Moskitostich die Ursache sein. Kann er trotzdem am Sonnabend gegen Leverkusen spielen? „Ich hoffe“, sagt er. „Ich muss warten, was der Arzt sagt."

Die Hinrunde ist in vier Spielen vorbei, für Adrian Ramos fällt die persönliche Bilanz bescheiden aus. „Der Saisonstart war für mich wegen der gesundheitlichen Probleme und fußballerisch nicht sehr schön“, sagt er. Ihm bleibe nur die Hoffnung, „dass es besser wird“. „Mir ist jetzt erst einmal wichtig, dass die Mannschaft ihre Ziele erreicht. Ich habe mir ja nicht vorgenommen, eine bestimmte Zahl von Toren zu schießen.“ Das klingt bescheiden für einen Profi, der noch im Sommer davon sprach, dass er irgendwann mal Meister mit Hertha werden wolle und der sich in der vergangenen Spielzeit eigentlich zu schade für die Zweite Liga war. Da hat er schon mal darüber nachgedacht, ob er bei einem anderen, größeren Klub nicht besser aufgehoben wäre. Jetzt sagt Adrian Ramos, er sei „glücklich“ darüber, dass sein Vertrag in Berlin bis 2015 laufe. „Diese Perspektive ist nicht schlecht.“ Zumindest mit dem Herzen ist er bei Hertha.

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