80:86 im Eurocup gegen Le Mans : Alba Berlin im Klammergriff des Selbstzweifels

Gegen Le Mans verpassen Albas Basketballer den vorzeitigen Einzug in die Zwischenrunde des Eurocups und suchen weiter das verlorene Selbstvertrauen.

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Befreiungsversuch gescheitert. Auch gegen Le Mans konnte sich Alba nicht aus der Serie lösen. Foto: Imago/Contrast
Befreiungsversuch gescheitert. Auch gegen Le Mans konnte sich Alba nicht aus der Serie lösen. Foto: Imago/ContrastFoto: imago/Contrast

Es war eine passable Imitation von Dirk Nowitzki. Wie der deutsche NBA-Star kippte Sasa Obradovic auf einem Bein stehend nach hinten und warf aus extremer Rücklage. Doch mit seiner Einlage an der Seitenlinie wollte der Trainer von Alba Berlin seinem Spieler Will Cherry vorführen, dass er eben kein Nowitzki ist. Der Berliner Aufbauspieler hatte zuvor vergeblich versucht, im Getümmel rückwärts fallend zu treffen, aber ist doch eben einige Köpfe kleiner als der NBA-Star.

Es war eine von vielen misslungenen Aktionen unter dem Korb, die Alba eine 80:86 (31:36)-Niederlage gegen Le Mans Sarthe Basket einbrachten. Vor 7232 Zuschauern in der Arena am Ostbahnhof überzeugte allein Elmedin Kikanovic mit 24 Punkten. Mit der fünften Pflichtspielniederlage in Serie verpassten die Berliner den vorzeitigen Einzug in die Zwischenrunde des Eurocups. Nun müssen sie aus den verbleibenden Spielen gegen Brindisi und auf Gran Canaria mindestens einen, besser zwei Siege holen, um sicher unter den ersten vier Teams der Sechsergruppe zu landen. Doch vor allem müssen sie zusehen, wieder in die Erfolgsspur zu finden und nicht am Sonntag in Frankfurt die sechste Pleite in Folge zu kassieren.

Es war ein Abend, um sich zu empfehlen. Drei NBA-Scouts hatten sich in der Halle angemeldet, unter anderem aus Milwaukee und Minnesota, aber wohl eher, um einige der großgewachsenen Talente der Franzosen zu beobachten. Die Berliner hatten nicht unbedingt NBA-Niveau angedeutet. Gegen den Gruppenvorletzten Le Mans lief es ein wenig besser als zuletzt bei der 69:80-Blamage gegen Bremerhaven. Einsatz und Abstände in der Defensive stimmten wieder. Aber in der Offensive brachten sich die Berliner oft selbst in Bedrängnis, weil sie kaum Spielzüge ausspielten oder sich nicht trauten, rechtzeitig zu werfen. Das deutet auf fehlendes Selbstvertrauen hin. Fünf Ballverluste leisteten sich die Gastgeber im ersten Viertel. Und da sie die Gäste sehr früh in deren Hälfte angriffen, konnte Le Mans die Alba-Defensive manchmal mit einem Pass überspielen. Schnell führten sie 12:8 in fremder Halle und 20:16 nach einem Viertel.

Alba ließ sich nicht abschütteln, mit sechs schnellen Punkten egalisierte Kikanovic zwischenzeitlich einen Sieben-Punkte-Rückstand fast alleine. Der Bosnier war unter beiden Körben einer der besten Berliner mit seinen schnellen, routinierten Bewegungen. Andere Spieler haben dagegen weiter mit Formkrisen zu kämpfen. Mitchell Watt, Dragan Milosavljevic, Kresimir Loncar und Jordan Taylor trafen kaum Würfe, dafür viele falsche Entscheidungen. Und Will Cherry beschleunigte das Spiel zwar immer wieder und erzielte 18 Zähler, aber agierte zu fehlerhaft mit vier Ballverlusten.

Da die Franzosen zudem besser reboundeten (39:33 für Le Mans), führten sie eine Minute vor der großen Pause mit acht Punkten. Im dritten Viertel wuchs Albas Rückstand sogar noch auf zwölf Zähler an. Es lief nicht gut, Taylor knallte unter dem Korb hin, Akeem Vargas verstrickte sich immer wieder in Scharmützel mit Gegenspielern. Trotzdem zog Le Mans nicht vollends davon, weil bei den Berlinern Einsatz und Zusammenhalt stimmten, sie kamen kurz vor Schluss noch einmal auf vier Punkte heran. Es wurde noch einmal spannend elf Sekunden vor Schluss, die Halle wachte auf. Allein es half nichts mehr. Nach der fünften Pleite in Serie wurde es gespenstisch still, nur vereinzelt gab es aufmunternden Applaus.

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