800-Meter-Vorlauf : Robin Schembera stürzt und scheidet aus

Der 20-jährige 800-Meter-Läufer Schembera fällt im Vorlauf hin und kann sein Pech kaum fassen.

Anke Myrrhe
Schembera
Pechvogel. Robin Schembera rappelt sich nach seinem Sturz auf. -Foto: dpa

Er muss alleine laufen, weil er keinen so schnellen Begleiter auf der Bahn findet, aber alleine feiern, das geht nicht für Usain Bolt. In Berlin hat er zum Glück schon einen dicken Freund gefunden, das Maskottchen Berlino. Mit dem Aufdruck „Ich bin ein Berlino“ auf seinem Shirt lief sich Bolt ein, und als er nach seinem Sieg über 200 Meter im Ziel als neuer Weltmeister angekommen war, lud er Berlino zu einem feierlichen Faxenmachen ein. Vier Arme zeigten Richtung Himmel, Bolts und zwei aus Plüsch.

Wer so schnell rennt, kann schnell einsam werden, Bolt war über 200 Meter ebenfalls so schnell wie nie ein anderer zuvor, nicht mal er selbst. Die Uhr blieb erst bei 19,20 Sekunden stehen, die Siegerzeit wurde noch um eine Hunderstel nach unten korrigiert, 19,19 Sekunden, wieder elf Hundertstel unter seiner Weltrekordzeit, die Bolt bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking aufstellte. Auch bei seinem Sieg über 100 Meter in Berlin hatte Bolt seinen Weltrekord um elf Hundertstel verbessert. Bolt könnte bald eine neue Disziplin vorgesetzt werden, Zielzeitlaufen. „Ich habe den Leuten gezeigt, dass mein Weltrekord von Peking kein Witz war“, sagte Bolt, „und ich habe den Leuten gezeigt, was man mit harter Arbeit und Leidenschaft erreichen kann.“

Offensichtlich braucht der Jamaikaner nicht einmal einen Rivalen für solche Geschwindigkeiten, der Weltjahresbeste Tyson Gay hatte seinen Start vorher abgesagt, Alonso Edward aus Panama kam mit einigen Metern Rückstand ins Ziel, 19,81 war seine Zeit, die des Drittplatzierten Wallace Spearmon aus den USA 19,85 Sekunden. Spearmon freute sich beinahe demütig über seine Bronzemedaille. „Ich bin froh, dass ich das Rennen und auch die Ehrenrunde zu Ende laufen konnte und nicht disqualifiziert wurde“, sagte er. So war es ihm in Peking gegangen, er hatte schon seine Bronzemedaille gefeiert, ehe er auf der Ehrenrunde erfahren hatte, dass sie ihm nicht ausgehändigt wird, weil er seine Bahn verlassen hatte.

Bolt hatte den besten Start, überraschenderweise; als Blitzstarter ist er nicht bekannt. „Ich hatte am Anfang der Saison gesagt, dass ich einen guten Start brauche, daran habe ich gearbeitet“, sagte er. Seine Ehrenrunde dürfte er ebenfalls in persönlicher Rekordzeit zurückgelegt haben, er schien so langsam wie nie zu sein. Bolt musste sich auf die Bahn legen, weil er völlig außer Puste schien und ziemlich erschöpft. „Ich war wirklich extrem müde“, sagte er, „das Rennen hat mich mental nicht so sehr beansprucht wie das in Peking, aber körperlich.“ Den ganzen Tag über hätte er nur auf seinem Hotelzimmer gesessen und Videospiele gespielt. Und seinen 23. Geburtstag an diesem Freitag wird er auch nicht besonders aufregend beginnen. „Ich werde lange ausschlafen.“

Wieder nahm er 100 000 Dollar Prämie allein für den Weltrekord in Empfang. Die 200 Meter können Bolt und seine Leistungsfähigkeit auf jeden Fall noch besser beschreiben als die Hälfte, sie sind seine Hausstrecke, auf ihr ist er groß geworden. Schon 2002, mit 15 Jahren, lief er 20,58 Sekunden, ein Jahr später 20,13. Die 200 Meter belegen eine konstante Leistungssteigerung, ein Indiz, aber keineswegs ein Beweis für eine saubere Leistung. Wie er Zweifler überzeugen will, dass er Doping nicht nötig hat? „Ich kann nur sagen, dass ich sauber bin. Die Leute haben ihre eigene Meinung. Ich werde die ganze Zeit über getestet und arbeite wirklich hart, was kann ich sonst noch sagen?“

Eine Sache wollte er noch richtig stellen: wie schnell ein Mensch über 100 Meter laufen kann. „Ich glaube, 9,4 sind möglich, aber ich habe nie gesagt, dass ich 9,4 laufen kann.“

9,4 Sekunden hält er jedenfalls für das Limit, auch für sich selbst. Bis dahin sind es jedoch noch einige Hundertstel hin, er hat also noch jede Menge Ziele. Das nächste ist jedoch ein rasantes Gemeinschaftserlebnis mit der Staffel. „Ich bin bereit für einen neuen Weltrekord mit unserer Staffel, ich weiß aber nicht ob meine Staffelkollegen das auch sind.“ Dann hätte er jedenfalls drei Goldmedaillen und drei Weltrekorde aus Berlin mitgenommen, so viele wie aus Peking. Schon jetzt hat sich der Senat dazu entschieden, Bolt noch eine besondere Freude machen, am Sonntag, dem letzten Tag dieser WM – wohl mit einem Stück Mauer. Als Symbol dafür, dass in Berlin noch ganz andere Grenzen eingerissen wurden.

Die Ehrenrunde war langsam wie nie – Bolt war außer Puste

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