Sport : 90 Minuten Brechstange

Mathias Klappenbach

über eine seltsame Idee aus Wales Ailton würde vielleicht in der Dritten Liga noch ein Auskommen finden, und an den Pass in die Tiefe könnten sich nur noch die Älteren erinnern. So will es zumindest der walisische Fußballverband. Er hat vorgeschlagen, dass die Abseitsregel künftig nur noch im Strafraum gelten soll. Dieser komische Einfall wäre nicht so Angst einflößend, wenn der Verband nicht Mitglied des altehrwürdigen „International Football Association Board“ wäre, der unbekannten und machtvollen Institution, die seit 1886 über die Fußballregeln bestimmt.

Fußball, wie er heute gespielt wird, kommt aus Großbritannien. Deshalb sitzen in dem Board, dessen Autorität „rein ethischer Natur“ ist, neben dem Waliser auch je ein Vertreter aus England, Schottland und Nordirland. Und zum Glück vier Abgesandte des Weltverbandes Fifa, der dem Board 1913 beitrat – für Regeländerungen bedarf es einer Dreiviertelmehrheit. Das Gremium gilt als konservativ, die Grundregeln wurden über die Jahrzehnte kaum geändert. Sollte das Board nun aber dem Vorschlag der Waliser folgen, würde sich der Fußball, dessen Regeln auch erfunden wurden, um sich vom Rugby abzugrenzen, wieder einen Schritt zurück entwickeln.

Die schnellen Antritte von Ailton über das halbe Feld nach einem weiten Pass wären passé. Stattdessen gäbe es wieder Strafraumstürmer, wie Gerd Müller einer war. Eine Viererkette müsste er ja nicht überlaufen. Und nach seinem Tor aus dem Gewühl dürfte der 59-Jährige sein Trikot wieder über den Kopf ziehen, ohne Gelb zu sehen. Auch das ist ein Vorschlag der Waliser. Und sogar ein guter.

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