Sport : 90 MINUTEN MIT Abel Xavier

Wie Hannovers Neuzugang das Spiel in Rostock erlebte

André Görke

Und dann ist es endlich vorbei. Abel Xavier (Foto: AP) ist erlöst. Mit hängendem Kopf schleicht der Portugiese in die Kabine, er ist verschwitzt und verärgert. Seine geflochtenen Haare, sein blondierter Bart, seine roten Stollenschuhe, das mag alles schön und extravagant sein; doch alles andere hat diesmal überhaupt nicht gestimmt.

Neunzig Minuten zuvor war alles noch in Ordnung für den 31-jährigen Innenverteidiger von Hannover 96. Er läuft aufs Feld, zieht die Stutzen hoch, das Trikot hängt aus der Hose. Die ersten Kopfballduelle gewinnt er, aber bei 1,90 Meter Körpergröße und einem kleinen Gegenspieler wie Martin Max ist das auch zu erwarten. Nach zwölf Minuten deutet Xavier mit einer kurzen Handbewegung an: Aufrücken, wir stellen die Abseitsfalle! Seine Kollegen rücken auf, nur Kleber nicht – prompt fällt das 1:0 für Hansa Rostock. Xavier schüttelt den Kopf. Und von nun an macht auch er alles falsch.

Vor drei Wochen kam er nach Hannover, am letzten Tag der Transferperiode. Für Liverpool und Benfica hat er gespielt, für Galatasaray und Eindhoven. Er soll der schwachen Abwehr Halt geben – und macht doch alles nur schlimmer. Gelangt er an den Ball, drischt er ihn weit und unkonzentriert nach vorn. Hannover kann mit dieser Ideenlosigkeit kein Spiel aufbauen. Doch es sind nicht nur die schwachen Pässe des neuen Mannes, es ist diese unfassbare Schlafmützigkeit. Nach einer halben Stunde segelt der Ball in Hannovers Strafraum, Xavier soll sich um Max kümmern – doch der hat sich längst davongeschlichen. Schuss, 0:2. Zehn Minuten später: Wieder ein langer Pass eines Rostockers, wieder rennt Max davon. Schuss, 1:3.

Gleich nach der Pause fliegt der Ball in den Strafraum, Xavier springt hoch – und köpft neben den Ball. Eine Minute später: Wieder eine Flanke, wieder hüpft Xavier - und diesmal köpft er den Ball mit dem Hinterkopf unglücklich in die eigene Hälfte. Die Zuschauer lachen. Was ist geblieben von der Klasse, die ihn vor vier Jahren auszeichnete, als er mit Portugal bei der EM überzeugte? Bis 2005 hat ihn Hannover vertraglich gebunden. Xavier will sich für die Nationalmannschaft empfehlen. Aber so nicht.

65. Minute: Endlich einmal nähert sich Xavier in behäbigen Schritten dem Rostocker Strafraum. Der Ball rollt ihm vor die Füße, er bekommt ihn nicht unter Kontrolle – der Schuss wird abgeblockt. Die Rostocker müssen nicht viel machen, sie warten, aber Xavier und seine Kollegen tun zu wenig, um Hansa zu fordern. Im Gegenteil. Sieben Minuten vor Schluss versucht es Xavier mit einem Dribbling an der Außenlinie. Er wartet so lange, bis ihn ein Rostocker stört und er den Ball verliert. Dann der Abpfiff, 17.17 Uhr. Immerhin sitzt die Frisur.

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