Sport : 90 MINUTEN MIT Andreas Hinkel

Wie der Stuttgarter das Spiel gegen Hannover erlebte

Oliver Trust

Sekunden vor dem Anpfiff holt erst einmal der Stadionsprecher tief Luft und gibt mit feierlichem Unterton bekannt: „Es ist noch nicht Nikolaustag, aber bei uns ist heute schon Bescherung – Andreas Hinkel hat seinen Vertrag bis 2007 verlängert.“ In diesem Moment bricht im Gottlieb-Daimler-Stadion Jubel aus. Es ist ein tönendes Gemisch aus Geschrei, Gekreische und Gejohle. Die Stuttgarter Zuschauer bejubeln die Vertragsverlängerung des 21-jährigen Verteidigers wie den Gewinn der deutschen Meisterschaft.

Auch Andreas Hinkel (Foto: AP) überhörte die Ansage nicht. Wohl aber war der schmale, blonde Jüngling überrascht. Hinkel blickt erstaunt und fragend in jene Ecke des Stadions, wo er den umherlaufenden Stadionsprecher gerade vermutet. Auch seine Mitspieler horchen auf und wollen Blickkontakt mit Hinkel aufnehmen. Später wird der rechte Verteidiger erzählen, dass es eigentlich erst nach dem Spiel gegen Hannover 96 dem Publikum bekannt gegeben werden sollte.

Ins Spiel findet der Mann mit der Nummer 2 auf dem Rücken recht schwer. Kurz nach dem Anpfiff verliert er seinen ersten Zweikampf gegen Hannovers Stürmer Idrissou. Auch in der Folgezeit wirkt Hinkel ungewöhnlich nervös, zum Teil sogar hektisch. In der ersten Halbzeit gelingt dem fünfmalige Nationalspieler, der neben Schalke auch noch von zwei weiteren Vereinen umworben war, recht wenig. Nach der Pause steigert sich der Stuttgarter Senkrechtstarter. Einmal schickt er Stürmer Kuranyi steil, ein anderes Mal gelingt ihm ein Doppelpass mit Hleb. Doch dann unterläuft Hinkel wieder ein Fehler. Der rechte Verteidiger verliert zehn Minuten vor dem Abpfiff einen Zweikampf mit Idrissou, dessen Pass zum zwischenzeitlichen 1:2-Anschlusstreffer. Egal, am Ende jubelt auch er. Seine Mannschaft hat zum zehnten Mal in dieser Saison gewonnen und sie baut die Tabellenführung sogar noch aus. Als die Statistikbogen zum Spiel aus dem Kopiergerät kriechen, steht hinter der Rubrik „meiste Ballkontakte“ die Zahl 104 und der Name Andreas Hinkel.

Kurz nach 18 Uhr sind dann alle Kameras auf ein Bogen Papier mit seinem Namenszug gerichtet. Hinkel sitzt nach einer ausgedehnten Dusche im Presseraum und setzt seine Unterschrift unter den neuen Vertrag bis 2007, der laut Stuttgarts Präsident Staudt keine Ausstiegsklausel enthält. Hinkel lächelt in die Kameras. Er hat sich für Stuttgart bekannt, obwohl die Schalker stolze 3,5 Millionen Euro geboten haben sollen. In Stuttgart wird Hinkel jetzt auch viel verdienen. Die Rede ist von 2,5 Millionen Euro im Jahr. Darüber wird der Mann aus Backnang etwas persönlicher jubeln.

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