Sport : 90 MINUTEN MIT Arne Friedrich

Wie Herthas Verteidiger das Spiel gegen Dortmund erlebte

Stefan Hermanns

Um kurz vor fünf verspricht es doch noch ein spannender Nachmittag für Arne Friedrich zu werden. Um kurz vor fünf nämlich wird bei Borussia Dortmund Marcio Amoroso eingewechselt, der beste Torschütze der vorigen Saison. Und mit dem Brasilianer wird es Herthas Abwehrspieler (Foto: City-Press) nun in den letzten 20 Minuten zu tun bekommen. Amoroso ist natürlich eine ganz andere Nummer als der blasse Heinrich, Vorname Jörg, der bis dahin Friedrichs bevorzugter Gegenspieler war. Zehn Minuten später bereitet der Brasilianer in der Tat Dortmunds Ausgleich durch Jan Koller vor. Aber dafür ist Friedrich nicht verantwortlich zu machen. Amoroso hat den Freistoß getreten, den Koller schließlich ins Tor der Berliner abfälscht.

Mit Borussia Dortmund verbindet Arne Friedrich nicht erst seit dem gestrigen 2:1-Sieg nur positive Erinnerungen. In der Hinrunde hat er im Westfalenstadion gegen den Meister sein erstes Bundesligaspiel bestritten, kurz darauf war der 23- Jährige Nationalspieler, und inzwischen gilt er als designierte Führungspersönlichkeit bei Hertha BSC, sogar als neue Identifikationsfigur für die Fans. Manager Hoeneß würde Friedrich ohne Bedenken einen Vertrag bis ins Jahr 2010 vorlegen.

Fünf Sekunden läuft das Spiel gegen Dortmund, als der Verteidiger, der in der Viererabwehrkette die rechte Außenposition einnimmt, zum ersten Mal den Ball zugespielt bekommt. Bis zum Ende folgen 59 weitere Ballkontakte. Für einen Abwehrspieler ist das eine sensationell hohe Zahl. Tomas Rosicky, der Spielmacher des BVB, hat nur sieben Kontakte mehr. Aber Rosicky spielt im Zentrum des Geschehens, Friedrich hingegen in der hinteren Ecke, wo meist weit weniger passiert.

Natürlich ist er nicht gezwungen, dort zu bleiben. Immerhin hat Friedrich in dieser Saison bereits drei Tore geschossen. Gegen die Dortmunder aber hält er sich merklich zurück. Vielleicht ist das der Respekt vor dem Meister. Nur zweimal im Verlauf des gesamten Spiels rückt Friedrich bis zur Dortmunder Torlinie vor. Unter dieser Dezenz leidet vor allem Bartosz Karwan im rechten offensiven Mittelfeld. Weil Friedrich weit zurückhängt, fehlt Karwan meistens ein Anspielpartner.

Es gibt Leute, die den ganzen Friedrich- Hype ohnehin für übertrieben halten, die behaupten, der Hochgelobte spiele nur Sicherheitsbälle. Andererseits kann es nicht schaden, neben Josip Simunic, der seine Gegner am liebsten mit seinem speziellen Hackentrick aussteigen lässt, auch jemanden in der Abwehr zu haben, der seine Aufgabe eher nüchtern erledigt. Friedrich richtet sich vor allem nach den Notwendigkeiten. Im Spiel gegen Dortmund ist es nicht notwendig, dem Ball oder einem Gegenspieler hinterherzugrätschen. Also tut Friedrich das in 90 Minuten auch kein einziges Mal.

0 Kommentare

Neuester Kommentar