Sport : 90 MINUTEN MIT Artur Wichniarek

Wie Herthas Stürmer das Spiel gegen Rostock erlebte

André Görke

Ist Artur Wichniarek (Foto: dpa) besser als Fredi Bobic? Der Stürmer von Hertha BSC will den Beweis antreten. Wichniarek trägt eine kurze, weiße Hose und darf spielen, Bobic sitzt im dunkelblauen Trainingsanzug auf der Bank. Wichniarek, 27, hat viele Wochen auf diese Chance gewartet, er ist motiviert, der erste Ballkontakt gehört ihm. Beim Anstoß. Der Gegner heißt Hansa Rostock. Eine knappe Minute ist gespielt, da zeigt der polnische Stürmer, was er kann: Ein Hackentrick, eine schnelle Bewegung – nur leider rutscht Wichniarek dabei weg und landet mit dem Po auf dem Beton neben dem Spielfeld. Die Zuschauer klatschen.

7. Minute: Wichniarek kommt in der eigenen Hälfte an den Ball, dribbelt los, umkurvt einen Rostocker, die Fans jubeln – dann folgt der Pass zum Kollegen. Raumgewinn: 50 Meter. Das ist Bobic schon lange nicht mehr gelungen.

Wichniarek trägt die „11“ auf dem Trikot; er ist Mittelstürmer, aber er kann auch viel laufen. In Bielefeld hat er in drei Jahren 50 Tore geschossen – für Hertha noch keines. In der 17. Minute wird Wichniarek wieder angespielt. Er legt sich den Ball vom linken auf den rechten Fuß, dribbelt am Gegner vorbei, schießt, doch Hansas Torwart lenkt den Ball über die Latte. „Mit der Nummer 11 – Artur …“, schreit der Stadionsprecher. Doch kaum ein Fan ruft zurück. Der Name Wichniarek hat lange keine Rolle gespielt.

Nach einer halben Stunde hakt es. An der linken Außenbahn schiebt er den Ball vor sich her, döst, ein Gegenspieler kommt, stört. Die Fans stöhnen.

52. Minute: Neuendorf passt, Wichniarek lässt den Ball klug in den leeren Raum klatschen, wieder ist Neuendorf am Ball. Wichniarek löst sich, geht einen Schritt nach hinten, steht am Fünfmeterraum, doch Neuendorf sieht ihn nicht. Wichniarek schimpft. Er wirkt ein bisschen arrogant, wenn er läuft. Weil er den Rücken sehr gerade streckt und den Kopf sehr hoch trägt. Nach einer Stunde kommt Wichniarek wieder an den Ball, 25 Meter vor dem Rostocker Tor. Er will mit seinem rechten Fuß schießen - doch er legt ihn sich zu weit vor und trifft den Ball nur mit der Fußspitze. Kraftlos kullert der neben den Pfosten. Jetzt schreit er wütend und hebt die Arme.

Hertha baut ab, Wichniarek ist kaum noch zu sehen. In der 76. Minute wird er ausgewechselt. Für ihn kommt Fredi Bobic ins Spiel. Jetzt pfeifen die Fans. Ist Wichniarek besser? Wenn, dann nicht viel.

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