90 MINUTEN mit … : Bastian Schweinsteiger

Der Mittelfeldspieler und seine neue Rolle

Stefan Hermanns

Qualität kann manchmal wehtun. Bastian Schweinsteiger erfährt das in der Nachspielzeit der ersten Hälfte, als er zum Kopfball hochspringt, den Ball im richtigen Moment trifft, und sein etwas tumber Gegenspieler Lewin Nyatanga nur noch Schweinsteigers Schädel erwischt. Schweinsteiger, der filigrane Fummler, hat also auch das Zeug zum Kopfball.

Dass der Münchner außergewöhnliche Fähigkeiten besitzt, hat ohnehin niemand bestritten; die Frage war nur, wie viele er davon dauerhaft würde umsetzen können. Joachim Löw, der Bundestrainer, ist in dieser Hinsicht stets zuversichtlich gewesen. Für das Spiel in Cardiff hat er den 23-Jährigen mit der Chefrolle betraut. Gemeinsam mit Thomas Hitzlsperger bildet Schweinsteiger die Zentrale im Mittelfeld – eine überraschende Lösung der Personalprobleme. Aber Hitzlsperger und Schweinsteiger machen sich ausgezeichnet als Ballack- und Frings-Doubles.

„Ich erwarte, dass er das Spiel schnell macht und der Mannschaft Impulse gibt“, hat Löw vor dem Spiel über Schweinsteiger gesagt. Dem Münchner ist anzumerken, dass er den Bundestrainer nicht enttäuschen will. Er zeigt stetige Präsenz, ist immer anspielbar und verteilt die Bälle wie ein Quarterback im American Football. Schweinsteiger hat am Ende mehr als 100 Ballkontakte, also ungefähr so viele wie sein früherer Münchner Kollege Roy Makaay in fünf Spielen.

Schweinsteiger, der Showeinlage generell nicht abgeneigt, findet gegen Wales das richtige Verhältnis aus Kunst und Effizienz. Dreimal leitet er den Ball mit der Hacke weiter, dreimal schafft er auf diese Weise eine neue erfolgversprechende Spielsituation. Ohnehin ist der Ball an diesem Abend bei Schweinsteiger gut aufgehoben. Wenn der Münchner mit Tempo übers Feld rauscht, sind die Waliser nicht mehr als ein höflicher Escortservice. Schweinsteiger leitet mit seinen Sololäufen nicht nur eine gute Chance für Kuranyi ein, er bringt sich auch selbst einmal in Schussposition: Sein Schlenzer verfehlt nur knapp das Tor.

Wenn man überhaupt etwas Negatives finden will, sind es die Standardsituationen, die Schweinsteiger wie gehabt regelmäßig misslingen. Einen indirekten Freistoß schickt er aus dem Waliser Strafraum Richtung Eckfahne, ein Eckball schafft es nicht über den ersten gegnerischen Verteidiger hinweg. Aber es muss ja auch ein paar Disziplinen geben, in denen sich ein 23-Jähriger noch verbessern kann. Stefan Hermanns

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