Sport : 90 MINUTEN MIT Bastian Schweinsteiger

Wie der Bayern-Profi das Spiel gegen Borussia Mönchengladbach erlebt hat

Daniel Pontzen

Dreistigkeit ist eine kostbare Qualität, man merkt das spätestens, wenn sie fehlt. Bastian Schweinsteigers (Foto: Reuters) Art des Fußballspiels etwa ist frech, manchmal rotzig, egal, ob er Jeff Strasser gegenübersteht oder Zinedine Zidane. Weil diese produktive Gleichgültigkeit nicht viele teilen im deutschen Fußball, würde ihn mancher gerne schon bei der EM im Sommer im Nationaltrikot sehen. Beim Test gegen Belgien am Mittwoch ist der 19-Jährige noch nicht dabei.

Gegen Mönchengladbach dauert es nicht lange, bis Schweinsteiger im Spiel ankommt. Er ist im halbrechten Mittelfeld aufgestellt, doch mit der Adjutantenrolle an der Seite von Michael Ballack gibt er sich nicht zufrieden, weil es seiner Vorstellung vom Fußballspielen zuwiderläuft. Er hält sich fast überall auf dem Platz auf.

Gleich zu Beginn fordert er Anspiele und bekommt sie. Dann schirmt er den Ball ab, mit gesenktem Becken, die Hände hat er in Hüfthöhe ausgestreckt, um Balance zu halten. Er hat einen tiefen Körperschwerpunkt dabei, ein wenig erinnert der Anblick an seine Jugendkarriere als Skifahrer, wenn er sich mit vier, fünf Ballkontakten im Zickzack an mehreren Gegenspielern vorbeischlängelt. Früher waren die Slalomstangen rot oder blau, am Samstagnachmittag waren sie weiß gekleidet und hatten Namen: Hausweiler oder Ulich zum Beispiel.

Solche Schnörkel sind typisch für Schweinsteigers Spiel, nicht aber für sein Denken. Gewöhnlich neigt er nicht zu überflüssigen Reflexionen, weder auf dem Platz noch daneben. Daraus speist sich seine Unbekümmertheit. Meistens profitiert er von seinem arglosen Wesen, er fasst einen Gedanken und setzt ihn in die Tat um.

Drei Tore und zwei Vorlagen hat er auf diese Weise schon verbucht. In der 20. Minute kommt ein Assist dazu, sein Eckstoß landet genau auf Kuffours Kopf: 1:0. Manchmal jedoch opfert Schweinsteiger in seiner Rolle als Hauptverantwortlicher für Spielwitz die Effizienz. In der ersten Hälfte kommen binnen zwei Minuten zwei unnötig riskante Pässe nicht beim Mitspieler an. Beim Stand von 3:0 hat er die Chance, das Spiel zu entscheiden. Doch als er im Fünfmeterraum an den Ball kommt, kann er das Spielgerät nicht unter Kontrolle bringen, ausnahmsweise.

Als das Spiel zu kippen droht - es steht 3:2 – wird Schweinsteiger ausgewechselt. Die Fans pfeifen.

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