Sport : 90 MINUTEN MIT Carsten Ramelow

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Carsten Ramelow (Foto: dpa) ist es schon gewohnt, in der Öffentlichkeit schlecht wegzukommen. In Berlin wird er immer noch als Verräter beschimpft, weil er vor sechs Jahren nach Leverkusen gewechselt ist. Dabei hat Ramelow Hertha damals mit seiner Millionenablöse erst vor der Pleite gerettet. Und wenn die Fußballexperten ihn nach einem Spiel lobend hervorheben, fragen sich die normalen Fußballfans: Ramelow? Wieso Ramelow? Hat denn der überhaupt mitgespielt? Carsten Ramelow hat immer dann gut gespielt, wenn er nicht besonders aufgefallen ist. Das liegt vor allem an seiner Position.

Normalerweise verrichtet Ramelow seinen Dienst im defensiven Mittelfeld, da wo es vorrangig darum geht, die Gefahr für das eigene Tor zu minimieren. Im Pokalfinale gegen Schalke 04 muss er den verletzten Jens Nowotny vertreten – als Kapitän von Bayer Leverkusen und als Viererkettenglied in der Abwehr. Vermutlich wird sich der 28-Jährige, bedingt durch Nowotnys Ausfall, auch bei der Weltmeisterschaft in dieser Rolle wiederfinden. Ramelow übernimmt gegen Schalke die rechte der beiden Innenverteidigerpositionen, links neben ihm spielt der Brasilianer Lucio. Einen direkten Gegenspieler hat er nicht. Und weil die Schalker mit drei Stürmern antreten, gibt Ramelow gelegentlich eine Art freier Mann in der Leverkusener Defensivformation. Im Falle eines Falles könnte er dann immer noch als Retter in der Not auftreten.

Für Ramelow ist es das zweite Pokalfinale in Berlin. Auch bei Bayers DFB-Pokalsieg vor neun Jahre war er dabei. Damals spielte er noch bei den unterlegenen Hertha-Amateuren. Ramelow ist ein Experte für zweite Plätze. Mit Bayer wurde er seit 1996 viermal Vizemeister.

Insgesamt erfüllt Ramelow gegen Schalke seine Aufgabe so, wie er es meistens tut: unaufgeregt. Carsten Ramelow ist die personifizierte Bodenständigkeit. Das hebt ihn schon fast wieder heraus aus der Künstlervereinigung Bayer 04. Ramelow spielt zunächst einmal einfach, vermutlich schätzen ihn seine Trainer deshalb so sehr. Als der Verteidiger mit der Rückennummer 28 nacheiner halben Stunden zum ersten Mal in der gegnerischen Hälfte an den Ball kommt, spielt Carsten Ramelow ihn gleich wieder zurück. Das spricht für eine realistische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten. Auch bei Eckbällen für Bayer bleibt er im Mittelkreis stehen. Er ist der letzte Mann vor Torhüter Butt.

Einer muss es ja machen. Stefan Hermanns

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