Sport : 90 MINUTEN MIT Dariusz Wosz

Wie Bochums Spielmacher die Begegnung gegen Hertha BSC erlebte

Michael Rosentritt

Dariusz Wosz (Foto: dpa) hat schon vor dem Anpfiff nasse Haare. Er hat sich ordentlich warm gemacht, schließlich führt er seinen VfL Bochum als Kapitän auf den Rasen des Ruhrstadions. Er trägt knallrote Fußballschuhe, die in der Sonne besonders grell leuchten. Wosz will Signale setzen gegen seinen ehemaligen Verein Hertha BSC. Die Trennung vor gut zwei Jahren verlief nicht geräuschlos. Er will es denen zeigen, die ihn damals nicht mehr für gut genug befunden haben. „Wenn wir die Berliner morgen abschießen, sollen sie sehen, wie sie da unten wieder rauskommen“, hatte Wosz am Tag vor dem Spiel der „WAZ“ erzählt. Wosz ist geladen, Hertha gewarnt.

In der zweiten Minuten passt er geschickt auf Delron Buckley und bekommt Szenenapplaus von den Rängen. Fußballfans lesen auch Zeitung. Wosz muss in Bochum keine Deckungsaufgaben übernehmen. Unter Trainer Peter Neururer genießt er alle Freiheiten. In Berlin war das damals noch anders.

Jetzt flucht Wosz, Hertha ist durch Neuendorf in Führung gegangen. Wosz greift sich sofort den Ball und führt den Anstoß aus. Wosz ist so ziemlich für alles zuständig. Er übernimmt die meisten Einwürfe, er schießt fast alle Freistöße. Er gönnt sich keine Pause. Man merkt ihm an, dass er zu den Berlinern nicht das herzlichste Verhältnis pflegt. Im April dieses Jahres hatte er beim Gastspiel des VfL in Berlin angefragt, wie viele Freikarten er denn kriegen könne. Als Manager Hoeneß davon erfuhr, ließ er ein Sparschwein unter seinen Mitarbeitern und Journalisten herumgehen, das er Wosz, einst Herthas teuerster Transfer (1998 für 5,2 Millionen Mark geholt), vor dem Bundesligaspiel überreichte. Wosz nahm das Schwein und schenkte es einem Rollstuhlfahrer.

Wosz rackert. In der letzten Minute vor der Halbzeit spielt er einen klugen Pass auf Hashemian, der legt ab auf Thomas Zdebel – 1:1. Wosz kann das, er ist noch so ein Spielmacher alter Prägung. Er kann tricksen, fummeln und herrliche Pässe schlagen. Zu Beginn der zweiten Halbzeit kommt er als Erster. Da es nicht so läuft beim VfL, holt er sich die Bälle von hinten. Meist gelingt ihm was Gescheites. Nur einmal unterläuft ihm ein Fehlpass. Zum Torabschluss kommt er nicht mehr. In der 70. Spielminute holt ihn Trainer Neururer vom Feld. Dariusz Wosz ist nicht mehr der Jüngste. Bald wird er 35. Viele Gelegenheiten, es seinem ehemaligen Arbeitgeber auf dem Rasen zu zeigen, hat er nicht mehr.

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