Sport : 90 Minuten mit: Davor Suker

Andre Görke

Schön, dass eine Stadt noch verzeihen kann. Schwere Frustrationen waren am 4. Juli 1998 in deutschen Fußballkneipen zu spüren, als Kroatien bei der Weltmeisterschaft in Frankreich die deutsche Nationalmannschaft 3:0 abfertigte. Und alles lag nur an Davor Suker. Erst führte er Christian Wörns so lange vor, bis der zutrat und vom Platz flog, und dann erzielte Suker auch noch das schmerzhafte 3:0. Eine Nation litt.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Seit zwei Wochen steht Suker (Foto: dpa), inzwischen 33 Jahre alt, bei 1860 München unter Vertrag. Einen Weltstar wie ihn, der 64 Länderspiele absolviert und bei Real Madrid und Arsenal London gespielt hat, den hatten sie bei den Blauen noch nicht. Gut, da gibt es auch Thomas Häßler. Aber der wollte nie ein Weltstar sein. Davor Suker ist anders. In Kroatien ist er ein Fußballgott. 60 000 Kroaten sollen in Süddeutschland leben, erzählt er, "da werden einige zu unseren Heimspielen kommen". Der Stadionsprecher hat angekündigt, bei seinen Toren "Sugar, Sugar" von den Archies einzuspielen, und die "Bild"-Zeitung in München nennt Suker nur noch "Zucker-Suker".

Samstagnachmittag, 14.56 Uhr: Suker macht sich warm. 20 Bahnen läuft er, wie alle anderen. Den Ball lässt er im Regen liegen. Ein Vollprofi, der Suker. Und höflich. Als er Schiedsrichter Markus Merk sieht, begrüßt er ihn mit einem Schwätzchen. Vier Sprachen kann Suker. Deutsch nicht. Um 15.30 Uhr pfeift Merk an. Suker gehört der erste Ballkontakt. Fünf Monate war er ohne Verein, "darum bin ich erst zu 60 Prozent fit", hat er vor dem Spiel gesagt. "Aber dann will ich viele Tore schießen." Gegen Cottbus ist das allerdings nicht seine Sache. 14. Minute: Wiesinger schießt, Energie-Keeper Piplica klatscht ab - und Suker ist da. Der Winkel ist zu spitz, Piplica hält. Es bleibt der einzige Torschuss des Kroaten. Allerdings hat der Cottbuser Trainer Eduard Geyer bei Standardsituationen den Urdeutschen Christian Beeck zu Suker beordert. Das ist wohl Geyers Rache für 1998. Dennoch, Sukers Pässe aus dem Fußgelenk sind genial. "Ein Klasse-Spieler mit Auge und Routine", sagt Häßler. Gegen Cottbus läuft Suker nicht ein einzige Mal ins Abseits, 20 seiner 28 Pässe landen beim Mitspieler.

Trotzdem läuft das Spiel eine Zeitlang an ihm vorbei. In Szene setzt sich immer mehr sein Sturmpartner Martin Max. Nach einer Stunde trifft Max die Latte, zehn Minuten später erzielt er das 1:0. Der Einzige, der ihm jubelnd in die Kurve folgt ist Suker. Show muss sein. Eigensinnig wirkt er trotz seiner Aura nicht. Präsident Wildmoser würde "am liebsten sofort verlängern". Durch Suker macht 1860 wieder Schagzeilen. Als der Kroate vor der Fankurve steht, drängen sich Fotografen um ihn. Die Fans rufen "Davor Suker". Nur eines dürften sie ihm nicht verziehen haben: dass Suker im Stadionheft Lothar Matthäus als seinen besten Freund in der Bundesliga angegeben hat. Ausgerechnet Matthäus, der früher bei den bösen Bayern gespielt hat.

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