Sport : 90 Minuten mit: Ewald Lienen

Lorenz Maroldt

Es gibt Leute, die behaupten, Ewald Lienen sei ein guter Trainer. Dabei besteht Lienen nur aus vier Bewegungen und einem Trend. Den immer gleichen Bewegungen. Und dem immer gleichen Trend. Ob das wirklich reicht, um ein guter Trainer zu sein?

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de St. Pauli, 15.10 Uhr, die erste Bewegung: Klatschen. Der Trainer des 1. FC Köln schreitet forschen Schrittes auf den Rasen, wo sich seine Spieler dehnen. Jetzt tun sie plötzlich sehr beschäftigt. Lienen mag das.

Der Trainer, einen rot-weißen FC-Schal um den Hals, schreitet also in die Ecke, wo die FC-Fans stehen, und klatscht ihnen zu, so als wollte er ihnen danken für all die Strapazen, die sie auf sich nehmen, um ihren Verein verlieren zu sehen. Und das scheinen sie gerne zu tun. In Köln gelten zwei Regeln: Je schlechter der FC spielt, desto mehr Fans kommen. Und je öfter der FC verliert, desto größer wird die Liebe der Fans zu ihrem heiligen Ewald. "Ohne den wären wir doch noch immer in der Zweiten Liga", erklärt einer in der Halbzeit im St. Pauli-Toilettencontainer.

Doch zunächst einmal zurück in die erste Minute, zur Besichtigung der zweiten Lienenschen Bewegung: Kritzeln. Zettel-Ewald hebt in jedem Spiel durchschnittlich 63-Mal die rechte Ferse an und legt einen Block auf die so entstehende Oberschenkel-Ablage. Gerade kritzelt er: 1 / 7 / T. Der Sprecher von St. Pauli wird das später Hieroglyphen nennen. Dabei ist es ganz einfach: erste Minute: der Spieler Reeb, Nummer 7, verliert den Ball und muss später getadelt werden - usw.

Wir kommen in die 30. Minute, es steht 1:0 für Köln, Lienen hat das erste Tor von Andrew Sinkala ohne Regung ertragen. Jetzt aber, eine Minute später, trifft Marc Zellweger zum 2:0, und Lienen zeigt: Trampeln. Lienen trampelt mal aus Freude, mal aus Ärger. Achtung, Verwechslungsgefahr! Seine Spieler verstehen es nicht immer richtig.

Lienens vierte Bewegung kann ebenfalls falsch interpretiert werden. Am Millerntor war sie vor allem in der zweiten Halbzeit zu sehen. Die Bewegung: doppeltes Handwegwerfen. Damit können die eigenen Spieler gemeint sein, aber auch der Schiedsrichter. Doch niemand kann verhindern, dass Lienen an diesem Tag tatsächlich mal wieder gewinnt. Am Lienenschen Trend ändert das nichts. Er lautet: aufwärts. Egal wie ein Spiel auch endet, Lienen entdeckt immer etwas Gutes. Diesmal sogar bei sich selbst, denn er spielte volles Risiko. Der Schweizer Zellweger und Rigobert Song aus Kamerun hatten vorher nur wenige Minuten mittrainiert. Aber beide spielten, als würden sie seit Jahren das rote Trikot tragen. "Ein Traum", sagt Lienen. Ob es diesmal vielleicht gar nicht am Trainer gelegen hat, dass seine Mannschaft mal wieder drei Punkte holte?

Ach ja, das gehört auch noch dazu: Bei der Pressekonferenz brach Lienens Sessel zusammen. "Mein Stuhl in Köln steht sicherer", sagte Lienen. Das sollte lustig sein. Aber ein lustiger Mensch, das ist Lienen wirklich nicht.

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