Sport : 90 MINUTEN MIT Fredi Bobic

Wie Herthas Stürmer das Spiel gegen Gladbach erlebt hat

Stefan Hermanns

Fredi Bobic ist diesmal ganz ruhig geblieben. Während des Spiels und auch danach. Die 90 Minuten Kernarbeitszeit sind lange vorbei, als Bobic (Foto: AP) in seiner Daunenjacke durch die Mixed-Zone des Olympiastadions geht. Ein paar Journalisten sprechen ihn an, aber der Stürmer von Hertha BSC lacht nur und verweigert ansonsten die Aussage. So schweigsam kennt man ihn gar nicht.

Eigentlich hat Bobic ein überaus ausgeprägtes Mitteilungsbedürfnis. Als die Mannschaft in ihrer düstersten Krise eine Art Presseboykott pflegte, verkündete Bobic, er entscheide selbst, wann er rede und wann nicht. Und dann redete er. Aber zuletzt war ihm nicht nur vorgeworfen worden, zu viel zu reden, sondern auch noch mit den falschen Leuten. Herthas Aufsichtsratschef Rupert Scholz hatte nach der Niederlage in Wolfsburg geklagt, Bobic solle mehr mit seinen Mitspielern sprechen und weniger mit dem Schiedsrichter. Manchmal wirkt es tatsächlich so, als ob der Stürmer durch die ständige Diskutiererei seine Kraft vergeude. Doch Bobic ist jemand, der glaubt, dass er Emotionen braucht, um überhaupt er selbst zu sein.

Im Spiel gegen Borussia Mönchengladbach aber ist ihm deutlich anzumerken, dass er vor allem um Selbstkontrolle bemüht ist. Einmal, Mitte der ersten Halbzeit, verlängert er den Ball mit dem Kopf auf die linke Seite, aber weil Niko Kovac nicht nachgerückt ist, trudelt der Ball ins Seitenaus. Bobic sucht den Blickkontakt zu Kovac, meckert ein bisschen. Für seine Verhältnisse ist das ein fast schon liebevoller Umgang mit dem Kollegen.

Es gibt eine Situation, in der der echte Fredi Bobic kurz unter seiner Verkleidung hervorschimmert. An der Mittellinie foult er den Gladbacher Kolkka. Eine Notwendigkeit dafür gibt es nicht. Bobic sieht die Gelbe Karte. Er schweigt, geht weg. Dann bleibt er stehen, dreht sich zum Schiedsrichter und sagt etwas. Es ist nur ein kurzer Dialog. Rupert Scholz wird sich gefreut haben.

Insgesamt aber laviert sich der falsche Bobic eher unauffällig durch das Spiel. Ein einziges Mal nur schießt er aufs Tor. Bart Goor flankt von der rechten Seite, und Bobic nimmt den Ball aus der Luft. So liebt er es: schnell und direkt. Aber weil Bobic den Ball mit dem Schienbein trifft, hoppelt der kraftlos über den Rasen. Schon in der 70. Minute wird der erfolglose Stürmer ausgewechselt, als erster Berliner und erst zum zweiten Mal in dieser Saison. Bobic läuft sofort in die Kabine. Sein Abgang ist das leidenschaftslose Ende eines leidenschaftslosen Nachmittags. Vielleicht sollte Fredi Bobic beim nächsten Mal wieder mehr meckern.

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