90 MINUTEN mit … : Gerhard Tremmel

Wie der Torwart das Spiel in Bielefeld erlebte

Sven Goldmann

Gerhard Tremmel trägt eine rot-orange Kombination, wie man sie vom AS Rom kennt. Der Torwart hüpft auf und ab, was weniger mit Nervosität zu tun hat als mit der Bielefelder Kälte. Weil Tomislav Piplica in jüngster Vergangenheit ein wenig zu oft daneben gegriffen hat, darf Tremmel im zweiten Jahr sein zweites Bundesligaspiel für Energie Cottbus machen.

Nach drei Minuten boxt er eine Flanke von Masmanidis aus dem Strafraum. Vor allem ihrem Torhüter haben es die Cottbuser zu verdanken, dass sie die stürmische Bielefelder Anfangsviertelstunde ohne Gegentor überstehen. Erst klärt Tremmel mit schneller Fußbabwehr gegen Tesche. Ein paar Minuten später hat er etwas Glück, dass ihn erst Wichniarek aus Nahdistanz anschießt, den Nachschuss schlägt da Silva von der Linie, direkt ins Kreuz von Tremmel, womit die Situation auch schon geklärt ist.

Wenn Tremmel spielt, leistet er sich selten Fehler. Das war schon bei Hertha BSC so, wo er an Christian Fiedler nicht vorbeikam. Es heißt, die Probleme des Torwarts lägen weniger im sportlichen Bereich. Tremmel gilt als eigenbrötlerisch, als einer, dem man nicht immer anmerkt, dass er alles für die Mannschaft gibt. Sein Rivale Piplica ist äußerst beliebt im Kreis der Kollegen.

Mit zunehmender Spielzeit tut sich Bielefeld immer schwerer. Tremmels größtes Problem ist die Kälte. Bei einer Flanke von Wichniarek verharrt er auf der Linie, aber Kampers Kopfball fliegt über das Tor. Erst eine Viertelstunde vor Schluss hat Tremmel nach einer harmlosen Eingabe seine erste Ballberührung in der zweiten Halbzeit. Zwei Minuten später fliegt der erste Schuss auf sein Tor – und der ist drin. Aus 25 Meter Torentfernung hat Kamper abgezogen, der Ball landet im linken oberen Dreieck.

Tremmel hat das Spiel schon abgehakt, als in der Nachspielzeit doch noch der Ausgleich fällt. So endet sein Comeback mit einem Teilerfolg. Kapitän Rost spricht später von einer soliden Torwartleistung, „er hat ja nicht besonders viel zu tun bekommen“. Sven Goldmann

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