Sport : 90 MINUTEN MIT Guillaume Warmuz

Wie Dortmunds Torhüter das Spiel in Wolfsburg erlebte

André Görke

Plötzlich steht Guillaume Warmuz doch im Mittelpunkt. Der Wolfsburger Fernando Baiano war vor dem Tor von Borussia Dortmund aufgetaucht, in hohem Tempo, mit voller Kraft. Torhüter Warmuz, 33, stürmte aus seinem Kosten, hob die Arme – und prallte mit Baiano zusammen. Elfmeter. Was ist das nur für ein Rückrundenstart für den Dortmunder Torhüter? Ein halbes Jahr saß er auf der Bank, vor einer Woche durfte Warmuz das erste Mal spielen und kassierte in vorletzter Minute das 0:1 gegen Schalke. Und nun das! Warmuz (Foto: Nordphoto) schüttelt den Kopf, er ist leicht benommen. Wolfsburgs Martin Petrov läuft an, Warmuz hechtet in die linke Ecke. Der Ball fliegt nach rechts. 0:1.

Sein Trikot sitzt nach einer halben Stunde so akkurat wie beim Anpfiff. Kragen, Stutzen und Handschuhe sind weiß, das Trikot ist schwarz. Der Franzose trinkt gern Burgunder, er ist ein Mann mit ruhiger Ausstrahlung. Ganz anders als Jens Lehmann, für den er im Tausch von Arsenal nach Dortmund gewechselt ist.

Diese Ruhe ist einer der Gründe, warum Trainer Matthias Sammer ihm vertraut. Konzentriert dirigiert Warmuz seine Kollegen bei einem Wolfsburger Freistoß. Warmuz steht am linken Pfosten und korrigiert die Mauer, dann prüft er vom rechten Pfosten. Die Spieler trippeln wie an einer Leine gezogen über das Feld und irgendwann hebt Warmuz die Hand. Der Freistoß rauscht am Tor vorbei. Zur Pause führt Dortmund 2:1. Sportdirektor Michael Zorc muss den Torhüter beim Gang in die Kabine trotzdem trösten, wegen des Elfmeters. Zorc streicht ihm über den Kopf.

Anpfiff, zweite Halbzeit. Warmuz klatscht in die Hände, er schreit, fuchtelt mit den Armen herum. Er redet jetzt mehr. Die Wolfsburger greifen über die Außenposition an. Als von der rechten Seite ein Wolfsburger den Freistoß ausführen will, fordert Warmuz die Kollegen auf, nach vorn zu rücken. Die VfL- Spieler müssen folgen, sonst würden sie im Abseits stehen. Als der Ball dann in den Strafraum fliegt, muss Warmuz nur drei Schritte in den freien Raum machen und den Ball aus der Luft holen.

Zwei Jahre hat Warmuz kein Pflichtspiel bestritten. Er saß auf der Bank, erst in Lens, dann in London. Warmuz blieb professionell und klagte nicht. Roman Weidenfeller hat er aus dem Tor verdrängt. Dass er fit ist, zeigt er nach 70 Minuten. Baiano köpft hart, Warmuz reißt die Hand hoch und lenkt den Ball über die Latte. Die Kollegen applaudieren.

Am Ende taucht Baiano noch einmal vor ihm auf, wieder allein. Der Brasilianer schießt das 2:4 für den VfL. Dabei bleibt es. Dortmund gewinnt, aber Warmuz ärgert sich.

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