90 MINUTEN mit … : Ivan Klasnic

Das Comeback des Bremer Stürmers mit neuer Niere

Karsten Doneck

Wie der Mann in dem grünen Trikot mit der Nummer 17 da hochkonzentriert im Anstoßkreis steht, ein Bein schon über die Mittellinie gesetzt, den Oberkörper weit vorgebeugt, auf den Anpfiff wartend – diese Haltung deutet schon an: Hier brennt einer auf seinen ersten Einsatz nach langer Zwangspause. Werder Bremens Stürmer Ivan Klasnic meldet sich am Samstag um 15 Uhr 30 zurück in der Bundesliga. Überraschend hatte ihn Trainer Thomas Schaaf, dem viele Stürmer fehlten, von Anfang an aufgeboten. „Schön“ sei es gewesen, freute sich Klasnic hinterher, „einfach nur schön“.

Nach einer gescheiterten und einer geglückten Nierentransplantation stand Klasnics Karriere schon vor dem Ende. Elf Monate lang hat er kein Bundesliga- Spiel mehr bestritten, erst seit zwei Monaten befindet er sich wieder im Training mit der Mannschaft. Er hat einmal in der Werder-Reserve in der Regionalliga mitgespielt. Ansonsten hoffte er, wartete, trainierte.

Mit Jubel aus der Kurve der Werder- Fans begrüßt, legt Klasnic schwungvoll los. Dem 27-Jährigen springt bei einem Kopfballversuch nach Flanke von Daniel Jensen der Ball an den Rücken und von dort in Richtung Tor, Energies Schlussmann Gerhard Tremmel kann abwehren. Klasnic, einst vom FC St. Pauli nach Bremen gewechselt, versteht sich nicht nur als Torjäger, sondern auch als Vorlagengeber. An seinem gefährlichen Flachpass rutscht aber Markus Rosenberg ganz knapp vorbei.

Klasnic kämpft, Klasnic rennt. In manchen Situationen fehlt ihm gegen die wuchtigen Cottbuser noch die Robustheit in den Zweikämpfen. Aber er mischt sich ins Geschehen ein, zeigt seinen Blick für die torreifen Situationen, verhält sich bei Ballsicherung und Abspiel geschickt. Seinem Trainer freilich macht Klasnic noch längst nicht alles recht. „Von der Leistung her haben wir ihn anders im Kopf“, sagt Thomas Schaaf, „er muss sich in Zukunft noch anders einbringen.“ Aber was kann Ivan Klasnic schon dafür, wenn auf seinen Torgefahr bringenden Steilpass aus dem Mittelfeld heraus nur ein harmloses Schüsschen von Tim Borowski folgt?

Im Spiel muss Klasnic einen speziellen Nierenschutz tragen. Ob ihn der behindere? „Ach was“, sagt der Profi, „das vergisst man völlig.“ Klasnic indes baut mit Fortdauer des Spiels ab. Auch seine Konzentration leidet. So kommt er kurz nach der Pause aus ungünstigem Winkel im Strafraum zum Schuss – und zieht den Ball meterweit am Tor vorbei. Nach 64 Minuten ist das Comeback beendet. Ivan Klasnic wird ausgewechselt. „Er hat die Bundesliga wieder angenommen“, findet Thomas Schaaf. Versöhnliche Worte für den Spieler, der sich nun erst einmal wieder erholen kann: Im Spiel am Mittwoch gegen Real Madrid fehlt er mit Sicherheit. Werder hat Ivan Klasnic für die Champions League nicht gemeldet. Karsten Doneck

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