90 MINUTEN mit … : Ivan Klasnic

Der Werder-Stürmer spielt im Streit

Frank Hellmann

Was war das für eine Woche. Eigentlich schien es für Ivan Klasnic unmöglich, den Fokus auf das Bundesligaspiel gegen Energie Cottbus zu richten. Nicht nur ganz Bremen debattierte tagelang über seine aufrührerische Millionenklage, das nierenschädigende Schmerzmittel Diclofenac oder den vernachlässigten Kreatininwert, nachdem der Stürmer die Irritationen um seine offenbar vermeidbare Nierentransplantation öffentlich inszeniert hatte.

Aber was tat sein Arbeitgeber Werder Bremen? Am Mittwoch beschloss man mit Klasnic im Beisein seiner Anwälte einen Burgfrieden, am Samstag stellte ihn Trainer Thomas Schaaf wie selbstverständlich in die Anfangsformation. Der Kroate hatte ja gute Erinnerungen an den Gegner Cottbus: Beim 2:0-Hinspielsieg am 24. November vergangenen Jahres feierte der bei den Fans sehr beliebte Stürmer sein sensationelles Bundesliga-Comeback. Und hatte der 28-Jährige nicht unter der Woche im Übungsbetrieb – unter dem Applaus der Trainingskiebitze – engagiert und konzentriert mitgemacht, im Abschlusstraining gar zwei Treffer geschossen? Gute Gründe also für Schaaf, Klasnic zu vertrauen; das Publikum belohnte das bereits beim Einlaufen mit warmem Applaus.

Dummerweise hat sich der Hauptdarsteller dann auf dem Platz nicht annähernd so gut in Szene setzen können, wie der Trainer sich das erhofft hatte: Ihm blieb nur eine Nebenrolle. Auch wenn Klasnic hinterher sagte, er habe „sich allein auf den Fußball konzentriert und alles andere ausgeblendet“: Er kam oft einen Schritt zu spät, wirkte gedanklich zu langsam – und hatte nur zwei gute Strafraumszenen. Einmal drosch er den Ball über die Latte, das andere Mal nutzte sein Sturmpartner Boubacar Sanogo seine Kopfballvorlage nicht. Das aber reichte nicht: Nach 56 Minuten beendete Schaaf den Arbeitstag der beiden Angreifer vorzeitig. Markus Rosenberg und Hugo Almeida kamen – und prompt brachte der Doppelwechsel den gewünschten Effekt; Rosenberg und Hugo Almeida schossen je ein Tor. „Die beiden haben getroffen, also hat der Trainer alles richtig gemacht“, erklärte Klasnic im Kabinengang. Und er fügte an: „Wenn wir jetzt beim HSV gewinnen, sieht es doch gut aus.“

Mehr als dieses kurze Statement war ihm nicht zu entlocken. Weil er ahnte, dass er in seiner Geburts- und Heimatstadt Hamburg am kommenden Mittwoch auf der Bank Platz nehmen muss? Rosenberg (zwölf Saisontore), Sanogo (neun), Almeida (neun) und Klasnic (sechs) – im Prinzip kann Trainer Schaaf bei der Sturmaufstellung auch würfeln. Klasnic hat er wohl auch deshalb spielen lassen, um den Eindruck der Befangenheit nach den Unruhen der vergangenen Tage zu verwischen. Frank Hellmann

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