90 MINUTEN mit … : Ivan Rakitic

Für den Schalker war das Spiel gegen die Bayern auch ein Privatduell mit Oliver Kahn

Jörg Strohschein

Es ist wohl das harte Los eines Nachwuchsspielers, dass er sich stets gut gemeinten Ratschlägen aussetzen muss. Schalkes Kapitän Marcelo Bordon scheint nach dem 1:1 beim FC Bayern München Bedarf zu haben, sich mit Ivan Rakitic noch einmal ins Gespräch zu vertiefen. Die Handzeichen Bordons scheinen taktische Fehlleistungen des 19-Jährigen aufzuzeigen. Das Gespräch dauert allerdings nicht allzu lange, denn an diesem Nachmittag, das sieht wohl auch Bordon ein, gibt es sehr wenig an der Leistung des Kroaten auszusetzen.

Rakitic erzielt gestern Nachmittag nicht nur die überraschende Führung für die Gäste aus Gelsenkirchen mit einem Distanzschuss aus rund 23 Metern und erfüllt sich damit zugleich einen Kindheitswunsch („Ich habe schon als kleiner Junge davon geträumt, gegen den großen Oliver Kahn ein Tor zu schießen“). Er ist auch während der gesamten Spieldauer nahezu der einzige Schalker Spieler, der die Münchner Abwehrspieler vor Probleme stellt. Nur wenige Minuten nach der Führung kann er allein vor Kahn sogar noch den zweiten Treffer erzielen und damit wohl für die Vorentscheidung in dieser Partie sorgen. Doch in diesem Moment versagen dem jungen Mann die Nerven.

Der vor dieser Saison für rund fünf Millionen Euro vom FC Basel zum FC Schalke gewechselte Mittelfeldspieler scheint diese Partie zu einer Art Privatduell mit dem Bayern-Torhüter erklären zu wollen. Doch auch seine übrigen Versuche kann Oliver Kahn jeweils parieren. Nach 83 Minuten ist die Partie für Rakitic zwar beendet. Geblieben aber ist der Eindruck, dass er der Spieler sein kann, den Trainer Mirko Slomka speziell in der vergangenen Saison so schmerzlich vermisst hatte.

Rakitic verfügt zwar nicht über das spielerische Potenzial des in die Türkei abgewanderten Lincoln, doch seine besondere Qualität liegt in der überdurchschnittlichen Schusstechnik und der daraus resultierenden Torgefahr, die zuletzt so sehr gefehlt hatte. „Wir wissen ja bereits seit dem ersten Spieltag, dass Rakitic über einen sehr guten Schuss verfügt“, lobt auch Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld dessen bemerkenswerte Fähigkeit nach der Partie.

Er trifft, wenn die Stürmer mal wieder verhindert sind. Der zuletzt zum kroatischen Nationalspieler berufene Rakitic hatte bereits in Stuttgart mit seinem Treffer für den Ausgleich gesorgt. „Ich bin in die Bundesliga gekommen, um mich mit den Besten zu messen“, sagt Rakitic. Und es bleibt zu konstatieren, dass er den Wechsel aus dem eher beschaulichen Schweizer Fußball hin zum höheren Niveau in Deutschland recht schnell bewältigt hat. Mittlerweile strahlt Ivan Rakitic Selbstbewusstsein auch außerhalb des Platzes aus. „Ich denke, im Großen und Ganzen kann ich mit meiner Leistung zufrieden sein. Auch wenn es immer noch besser geht.“ Marcelo Bordon sieht das bestimmt auch so. Jörg Strohschein

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