Sport : 90 MINUTEN MIT Jakub Wierzchowski

Wie Bremens Torhüter das Spiel gegen Cottbus erlebte

André Görke

Es ist 14.55 Uhr, als der Bremer Stadionsprecher tief Luft holt. „Begrüßt mit mir unsere Nummer eins: Jakuuub…“. Antwort: Keine. Die Fans schweigen. Der Stadionsprecher versucht es noch einmal: „Ja-kuuub…“. Stille. Immerhin, beim dritten Versuch klappt’s, ein paar Fans rufen: „Wierzchowski“. Es ist nicht leicht in diesen Tagen, Torhüter von Werder Bremen zu sein.

Gegen Cottbus steht an diesem Nachmittag also Wierzchowski (Foto: dpa) im Tor, der Ersatzkeeper. Stammtorhüter Pascal Borel sitzt draußen unter einer Decke. Als Wierzchowski zwei Minuten vor Anpfiff auf den Rasen läuft, entrollen die Fans in der Kurve ein Plakat: „Wacht auf! Winterschlaf ade!“. Ein Spruch für die Werder-Torhüter? Möglich wäre es, gepatzt haben sie in dieser Saison genug. Über Monate erst Borel, am vergangenen Wochenende nun auch dessen Stellvertreter. In Nürnberg fälschte Wierzchowski den Ball ins eigene Tor ab.

Gegen Cottbus erhält der 25-jährige Pole eine zweite Chance, „weil er sich ja letzte Woche nicht auszeichnen konnte“, hatte Bremens Trainer Schaaf vor dem Anpfiff gesagt. Wierzchowski bekommt schnell etwas zu tun. 3. Minute: Bei einer Cottbuser Flanke fliegt der Bremer Torhüter durch seinen Strafraum und lenkt den Ball zur Ecke. 4. Minute: Der Cottbuser Vagner kommt zum Kopfball, doch Wierzchowski reagiert schnell. Eine Minute später ist er machtlos: Die Bremer Abwehrspieler lassen Marko Topic an den Ball, dessen Schuss schlägt in der rechten unteren Ecke ein. Cottbus führt. Wierzchowski schweigt.

Rückstand nach nur fünf Minuten – kann es schlechter laufen? In Bremen denken sie längst an einen neuen Torhüter. Im vergangenen Sommer sei der Klub dazu finanziell nicht in der Lage gewesen, hat Sportdirektor Klaus Allofs gesagt. Jetzt muss Bremen handeln, die Mannschaft rutscht ab.

Gegen Cottbus hängt noch ein Plakat in der Kurve: „Borel, lass dich nicht unterkriegen.“ Für Wierzchowski haben die Fans kein nettes Wort übrig. Dabei war er mal der Publikumsliebling gewesen, aber das lag wohl daran, dass er auf der Bank saß und dort keine Fehler machen konnte. 25. Minute: Cottbus zieht sich zurück. Der Bremer Torhüter hebt die Arme, ordnet die Abwehr und feuert seine Kollegen an. Der Neue ist der Boss in der Defensive.

Nach einer Stunde verhindert Wierzchowski das zweite Gegentor: Im Strafraum steigt der Cottbuser Gregg Berhalter hoch, doch der Torhüter schmeißt sich in den Kopfball und hält. Die Kollegen klatschen. Danach steht Wierzchowski im Strafraum und tritt den holprigen Rasen fest. Irgendwann Abpfiff, Wierzchowski lehnt enttäuscht am Pfosten. Am Bremer Torhüter hat es gegen Cottbus nicht gelegen.

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