90 MINUTEN mit … : Jermaine Jones

Wie der Schalker seine Rückkehr nach Frankfurt erlebte

Daniel Meuren

Das Spiel bei Eintracht Frankfurt begann für Jermaine Jones schon um 14.55 Uhr. Da boten die Frankfurter Fans ihrem verlorenen Sohn einen höchst unfreundlichen Empfang mit Schmähgesängen. Es war die Reaktion der Fans auf den Abschied in der Vorsaison, als der einstige Publikumsliebling und Kapitän den Verein seiner Heimatstadt gen Schalke verließ, obwohl er monatelang das Gegenteil behauptet hatte. Der 26 Jahre alte, im Frankfurter Stadtteil Bonames geborene Jones antwortete auf die Verunglimpfungen mit ironischen Gesten. Auf dem Spielfeld war er zunächst weniger schlagfertig. Erst nach zwei Minuten und sechs Sekunden berührte der defensive Mittelfeldspieler zum ersten Mal den Ball, in den Mittelpunkt bugsierte sich Jones dann in der siebten Minute mit einem harten Einsteigen gegen Christoph Spycher.

In der Folge fand der Schalker Aufsteiger der Saison dann aber besser ins Spiel. Sein Arbeitsgebiet im defensiven Mittelfeld beherrschte Jones anschließend dank seines überragenden Zweikampfverhaltens nach Belieben. Seinen Vorwärtsdrang unterbanden die alten Teamkollegen im Trikot freilich meist mit kleinen Fouls. Gegen Ende hatte Jones Glück, dass er bei der großen Rudelbildung nach einer Auseinandersetzung mit Michael Thurk, ausgerechnet einem seiner besten Kumpels aus Frankfurter Tagen, unbestraft blieb.

Die hasserfüllte Stimmung der Fans sah Jones sehr gelassen. „Es war deutlich weniger schlimm, als ich erwartet hatte. Eigentlich habe ich das kaum wahrgenommen“, sagte er. Nach dem Abpfiff hatte er sich demonstrativ von jedem Ex-Weggefährten mit einer Umarmung verabschiedet und mit Benjamin Köhler sogar das Trikot getauscht. Eine bemerkenswert sportliche Geste am Ende eines für Jones nicht normalen Arbeitseinsatzes. Daniel Meuren

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