Sport : 90 MINUTEN MIT Kevin Kuranyi

Wie der Stuttgarter das Spiel in München erlebt hat

Daniel Pontzen

Wenn es nicht so verschnörkelt wäre, dieses Emblem des VfB Stuttgart – er hätte es sich vermutlich in seinen Bart rasiert. Kevin Kuranyi (Foto: ddp) nutzt sein Gesichtshaar gern zu großer Symbolik, während des Irakkrieges hat er sich ein Peace- Zeichen hineinscheren lassen, und nun, da schon wieder ein bewegendes Ereignis geschehen war, schien der Anlass angemessen: Kuranyi hat am Donnerstag nach einigem Zögern seinen Vertrag bis 2008 verlängert. „Ich bin froh, mich endlich wieder aufs Fußballspielen konzentrieren zu können“, sagte Kuranyi, pünktlich vor dem Spitzenspiel bei den Bayern.

Als er den Rasen betrat, schien die Last weggeschmolzen, die auf seinen Schultern gelegen hatte. Lächelnd unterhielt er sich mit dem F-Jugendlichen, der ihn Richtung Mittelkreis begleitete, und schon acht Minuten später war er Protagonist der ersten Spielszene. Eine Flanke segelte in den Strafraum, Kuranyi drückte den Ball mit der Stirn Richtung Tor, doch der Druck fehlte, kein Problem für Oliver Kahn.  

Kuranyi ist oft anspielbereit, er läuft viel, und immer wenn er längere Wege zurücklegt, entfaltet sich die Leichtigkeit seines Laufstils, zu dem man sich gut die Stimme Heinz Sielmanns vorstellen kann: „So läuft sie, die junge Antilope.“ Oft bietet er sich im Mittelfeld an, lässt den Ball abtropfen, seine Spielstärke erlaubt ihm auch die Teilnahme an Stuttgarts Kurzpassspiel. Effizienz kennzeichnet sein Spiel aber nicht in dieser ersten Halbzeit. „Sammy Kuffour – 100 Prozent gewonnene Zweikämpfe“ ist nach einer halben Stunde auf der Videowand zu lesen. Der Verteidiger kümmert sich um Kuranyi. 

Nach der Pause rückt Stuttgarts 22 – seine Rückennummer ließ er sich einst ins Haar rasieren – kurz in den Mittelpunkt. Mit zwei Kopfbällen zwingt er Kahn zu Paraden. Kuranyi, der erste VfB-Stürmer, der wo nach Jürgen Klinsmann eine große Nummer werden soll, übernimmt Verantwortung, auch emotional ist er im Spiel: Nach einem Foul Sagnols bildet sich ein Spielerknäuel,  Kuranyi mittendrin, heißblütig schlichtend.

Als das Spiel seine Wende nimmt, Bayern in Führung geht, fordert Kuranyi den Ball. „Weiter“ will er sagen. Er holt sich Bälle in der eigenen Hälfte, er marschiert, erst kurz vor Schluss winkt er ab, wahrscheinlich weiß er, dass nichts mehr passieren wird. „Man darf nicht übersehen, dass er gegen eine sehr starke Verteidigung gespielt hat“, sagt Trainer Felix Magath später, „man kann nicht erwarten, dass er in jeder Szene glänzt.“ Er wird das noch oft genug tun, schien Magath sagen zu wollen. Sie sind froh, dass sie ihn haben in Stuttgart. Bis 2008. 

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