90 MINUTEN mit … : Luca Toni

Der neue Stürmerstar des FC Bayern München feierte gegen Hansa Rostock einen gelungenen Einstand und erzielte das wichtige 1:0.

Michael Neudecker

Die Münchner Arena bebte, ein eindrucksvoller Bass rollte aus den Lautsprechern über die 69 000 Zuschauer hinweg, und dann lief Luca Toni los. Ein kurzer Sprint, ein Haken nach rechts, einer nach links, dann atmete er tief ein und aus. Das Spiel begann, und er war dabei: Luca Toni, Italiener, Weltmeister, Frauenschwarm, Weltklassestürmer. Und eigentlich auch: angeschlagen. Noch am Donnerstag hatte Trainer Ottmar Hitzfeld gesagt, er werde Toni vermutlich gegen Rostock nicht aufstellen, weil er erst seit Donnerstag wieder trainiere, und weil er sonst möglicherweise die hohen Erwartungen nicht erfüllen könnte. Und jetzt lief er zickzack über den Rasen, Luca Toni, und wartete darauf, dass der Schiedsrichter anpfiff.

Toni war offenbar fit genug, um 90 Minuten durchzuspielen. Am Ende war auch allen Zuschauern klar: Ottmar Hitzfeld hatte geblufft. Dabei hatten doch die Mannschaftskollegen wie Marcell Jansen schon „im Training gemerkt, dass er unbedingt mitspielen will“.

Sie erwarten ziemlich viel von ihm in München, schließlich war er 2006 mit 31 Treffern Torschützenkönig in Italiens Serie A. Er soll als eine Art wandelnder Riese im Strafraum des Gegners für Unruhe sorgen, und dabei am besten so viele Tore wie möglich erzielen. Immerhin eines hat er schon mal geschafft beim Saisonauftakt, es war eher ein geschenktes, weil Miroslav Klose ihm den Ball so vorlegte, dass er nur ins leere Tor schießen musste. Doch gerade dabei war zu sehen, wie wichtig Toni ist für die Bayern: Klose kommt mit Toni besser zur Geltung – und unmgekehrt. Das merken auch die anderen im Münchner Starteam. Jansen beschrieb Tonis Wertigkeit hinterher so: „Man ist froh, wenn man weiß, dass da so einer vorne ist.“

Toni hätte noch mehr Treffer erzielen können gegen Rostock, ein paar Mal kam er frei zum Kopfball, und einmal, da lief er in den Strafraum, Rostocks Marcel Stein kam hinzu – und dann fiel Toni, wie ein echter Italiener fiel er, wild gestikulierend und wie vom Stromschlag niedergestreckt. Der Schiedsrichter pfiff nicht. Toni faltete die Hände wie zum Gebet und schaukelte sie unter dem Kinn, wie alle Italiener es tun, wenn sie sich beschweren. Das ist ja gerade das Schöne an Luca Toni: er ist ein Italiener wie aus einem Klischeebuch ausgeschnitten.

Als das Spiel zu Ende war und Toni aus der Kabine kam, da erzählte er, ja, er redete ununterbrochen, dass er schon viele SMS aus Italien bekommen habe, die ihm gratuliert hätten, dass er sehr zufrieden sei mit seiner Leistung, aber jetzt ziemlich müde, und dass er noch nie in einem so schönen Stadion gespielt habe. Dann kam der Pressesprecher der Bayern, sagte laut „Grazie“ und zog ihn weg. Toni lächelte und zuckte mit den Schultern, als wollte er sagen: Scusi, ich hätte gerne weiter geredet. Nun: Er wird noch genügend Gelegenheit zum Reden bekommen in dieser Saison. Michael Neudecker

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