90 MINUTEN mit … : Mario Gomez

Stuttgarts Stürmer trifft und provoziert

Oliver Trust

Mario Gomez sieht sich als Führungsspieler in Stuttgart. Das heißt, man schreitet voran, auch wenn es schwierig wird. Und es war schwierig auf dem Rasen im Ländle-Derby gegen den KSC. Schon in den ersten Minuten aber war deutlich sichtbar: Gomez wird heute alles geben. Er läuft fast jeden Ball in der Hälfte der Karlsruher ab und hat recht bald auch das nötige Glück. Minute fünf: Mario Eggimann spitzelt den Ball zur Seite und dort lauert an der Strafraumgrenze Gomez, als hätte er genau dort den Ball erwartet. Ein satter Flachschuss und dann der Jubellauf – in die Fankurve der Karlsruher, die er damit natürlich provoziert. „Ich hab die Seite verwechselt“, sagt er später mit einem Grinsen. „Sonst schieße ich die Tore drüben, aber diesmal bin durcheinander geraten.“

Gomez bleibt in gewisser Weise der Mittelpunkt der Partie. Karlsruhes Trainer Edmund Becker nennt sein Duell mit dem leicht reizbaren KSC-Innenverteidiger Maik Franz später „grenzwertig“. Gomez aber habe auch seinen Teil zur hitzigen Atmosphäre beigetragen.

Gomez selbst wird nach der Partie im Fernsehen bei Premiere ausfällig. Die Beleidigung „Arschloch“ fällt, als er sagt, er wolle über Franz nicht sprechen, weil sich das nicht lohne und Franz als unfairer Spieler in der ganzen Bundesliga bekannt sei. Maik Franz sagte: „Ich möchte mich nicht auf dieses Niveau herablassen. Gomez ist ein guter Fußballer, aber alles andere ist noch verbesserungswürdig.“

Auf dem Rasen wechseln sich die beiden Streithähne brüderlich mit ihren Attacken ab. Wobei Franz leichte Vorteile beim Zutreten zugestanden werden müssen. Gomez wird immer wieder an der Linie behandelt. In der zweiten Hälfte bleibt Deutschlands „Fußballer des Jahres“ mit schmerzverzerrtem Gesicht gute drei Minuten auf dem Rasen liegen, bevor er weiter spielt.

„Ich stehe dazu, es ist eine Tatsache und die Wahrheit“, sagte er später zu seinen Statements in Richtung Franz. Er habe den Kampf angenommen und das erwarte er von sich als Führungsspieler auch. Immerhin sei ja das elfte Saisontor dabei herausgesprungen. „Ich hab mich dem gestellt, was da kam.“

Erst nach 77 Minuten darf der reichlich ramponierte schwäbische Stürmer seinen Kampf einstellen und vom Platz. Er wird durch Cacau ersetzt. Als der dann das erlösende 3:1 erzielt, stürmt Gomez sofort wieder auf das Feld. Diesmal, in eine dicke rote Klubjacke verpackt, tanzt er zusammen mit dem Torschützen vor dem richtigen Fanblock, dem mit den Stuttgarter Fans. Oliver Trust

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