Sport : 90 MINUTEN MIT Marko Rehmer

NAME

Rudi Völler hat als Fußballer viel erlebt. Und immer wieder gern berichtet der Teamchef der deutschen Fußball-Nationalmannschaft von seinen reichen Erfahrungen. Zum Beispiel von der erfolgreichen Weltmeisterschaft 1990. Damals, so hat Völler in den vergangenen Wochen immer wieder erzählt, habe Jürgen Kohler nach einer langen Verletzungspause auch erst im Achtelfinale sein WM-Debüt geben können; im Laufe eines Turniers könne also viel passieren. Diese kleine Geschichte galt vor allem der Aufmunterung von Marko Rehmer, der sich drei Monate vor dem Beginn der Weltmeisterschaft zwei Bänder gerissen hatte und bis zuletzt um den Eintritt in den WM-Kader gebangt hatte. Am Freitag ist Völler gefragt worden, ob Marko Rehmer (Foto: dpa) denn jetzt der Jürgen Kohler des WM-Turniers 2002 werde. Diese Frage ist seit gestern Nachmittag südkoreanischer Zeit so gut wie beantwortet.

Der Verteidiger von Hertha BSC kam im Achtelfinale gegen Paraguay zwar ebenfalls zu seinem ersten WM-Einsatz; doch während Kohler 1990 als Stammspieler Weltmeister wurde, ist Rehmers erster Einsatz möglicherweise auch schon sein letzter gewesen. Nach der Pause blieb er in der Kabine, er hatte sich erneut am rechten Knöchel verletzt. Bei einer Standardsituation sei es passiert, berichtete Rehmer. Im Getümmel war er einem anderen Spieler auf den Schuh getreten und dabei umgeknickt.

Selbst wenn sich diese Verletzung als nicht besonders gravierend erweisen sollte – Rehmers erstes Pflichtspiel nach 105 Tagen Pause zeigte deutlich, dass er noch nicht das Niveau erreicht hat, das in der entscheidenden Phase einer Weltmeisterschaft zwingend notwendig ist. Er selbst hatte „gemerkt, dass vier Monate nicht so leicht zu überbrücken sind“. Immerhin ist Rehmer Herthas erster deutscher Nationalspieler seit 24 Jahren, der wieder ein WM-Spiel bestritten hat. Der letzte war 1978 in Argentinien Erich Beer, bei der 2:3-Niederlage gegen Österreich in Cordoba.

Marko Rehmer bildete gegen Paraguay in der ersten Halbzeit gemeinsam mit Christoph Metzelder, Thomas Linke und Torsten Frings die Viererabwehrkette. Teamchef Rudi Völler bemängelte hinterher „einige Ungereimtheiten vor allem in der Defensive und im Spiel nach vorne“. Marko Rehmer durfte sich durchaus angesprochen fühlen. In der 32. Minute spielte Torhüter Oliver Kahn den Verteidiger aus dem eigenen Strafraum an, Rehmer wollte den Ball gleich zurückspielen, sein Pass geriet jedoch so kurz, dass Kahn vor Paraguays Stürmer José Cardozo mit einer Grätsche klären musste. „Ich habe Probleme gehabt beim Passspiel“, berichtete Rehmer, „ich konnte am Ende nicht mehr ordentlich den Ball spielen.“

Weil Torsten Frings die äußerst rechte Position in der Viererkette einnahm, musste sich Rehmer ohnehin weitgehend auf Defensivaufgaben beschränken. „Nah am Mann hab‘ ich mich ganz gut gefühlt“, sagte er. Das belegt auch seine persönliche Spielstatistik. Von acht Kopfballduellen gewann er sieben. Allerdings bemerkte Rehmer selbst seine Probleme damit, „das Spiel zu lesen“, bestimmte Situationen richtig zu erfassen. Die größte Chance für Paraguay resultierte acht Minuten vor der Pause aus einem Stellungsfehler Rehmers: Jorge Campos nutzte den Fauxpas des Berliners zu einem präzisen Fernschuss, den Oliver Kahn nur mit Mühe zur Ecke lenken konnte.

Sein Ausscheiden zur Pause wertete Rehmer nach dem Spiel vor allem als Vorsichtsmaßnahme für seinen lädierten Knöchel. Es war aber auch ein Vorsichtsmaßnahme für die deutsche Abwehr. Stefan Hermanns

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben