Sport : 90 MINUTEN MIT Marko Rehmer

Wie Herthas Verteidiger das Spiel in Leverkusen erlebte

André Görke

Marko Rehmer streicht sich mit dem Finger über die Nase. Er hebt den Kopf, guckt zur Tribüne, dann verschwindet der Fußballprofi von Hertha BSC in der Kabine. Es ist 16.17 Uhr, Halbzeit in der Leverkusener Bayarena: Für Rehmer ist der Arbeitstag beendet. Als die zweite Halbzeit angepfiffen wird, steht es 0:3 – und Rehmer unter der Dusche. Für Rehmer lief an diesem Nachmittag so gut wie alles schief. „Ich bin fassungslos“, wird Rehmer später sagen. „Das war eines meiner unglücklichsten Spiele. Ich hätte mich wohl viel früher auswechseln lassen sollen.“

In der Bayarena ist eine Viertelstunde gespielt. Der Leverkusener Stürmer Dimitar Berbatow kommt im Berliner Strafraum an den Ball, sein Gegenspieler heißt Marko Rehmer. Berbatow ist schnell, gelenkig, flink – den langen Rehmer lässt er einfach stehen. Als der Berliner sieht, dass er nicht mehr an den Ball kommt, nicht mehr grätschen kann, da umklammert er Berbatows Körper und reißt ihn zu Boden. Elfmeter, 0:1, Hertha liegt hinten.

Rehmer verletzt sich bei dieser Aktion an der rechten Schulter. „Zum Glück ist da mein Schultergelenk nicht herausgesprungen“, sagt Rehmer nach dem Abpfiff. Als ihn die Berliner Betreuer auf dem Rasen behandeln, läuft sich Ersatzspieler Andreas Schmidt vorsichtshalber warm. Rehmer kann weiterspielen.

In drei Wochen wird der Verteidiger 31 Jahre alt, er hat seinen Arbeitsvertrag bei Hertha gerade erst bis 2005 verlängert. Seinen Stammplatz hat er in den letzten Wochen an Dick van Burik verloren. Arne Friedrich ist für ihn auf die rechte Abwehrseite gerückt – und Rehmer auf die Ersatzbank. Sein letztes Bundesligaspiel hat er in Hamburg absolviert. Vor einem Monat war das. Es war bis gestern Herthas letzte Niederlage.

Vor einer Woche hat sich van Burik nun am Sprunggelenk verletzt. Rehmer durfte in Leverkusen wieder mitspielen. Dimitar Berbatow und Oliver Neuville sind an diesem Nachmittag seine Gegenspieler. Rehmer sieht oft schlecht aus. Seine Bewegungen wirken steif, ungelenk, normalerweise macht er diese Schwäche mit seiner Schnelligkeit wett. In Leverkusen klappt nichts. Liegt’s am Wind?

Nach einer halben Stunde liegt Hertha mit 0:2 im Rückstand. Bernd Schneider hat für Leverkusen getroffen. Dass Hertha das Spiel noch drehen kann, daran denkt niemand an diesem Nachmittag. Vier Minuten vor der Halbzeit, 16.11 Uhr: Rehmer liefert sich ein Laufduell mit Oliver Neuville auf der Außenbahn. Das Tempo ist hoch, beide spurten auf gleicher Höhe. Doch dann: Rehmer strauchelt, verhakt seine Füße, fällt zu Boden und bleibt liegen. Neuville rennt allein auf das Berliner Tor zu, kurz darauf steht es 0:3. Herthas Mittelfeldspieler Stefan Beinlich gibt Beinlich einen Klaps auf den Po. Dann darf Rehmer erst einmal in die Kabine. Als sich in der Pause Denis Lapaczinski aufwärmt, ist den Zuschauern klar: Marko Rehmer kommt nicht wieder. Den zweiten Teil der 90 Minuten erlebt er als Zuschauer.

0 Kommentare

Neuester Kommentar