90 MINUTEN mit … : Martin Fenin

Wie der Frankfurter Debütant das Spiel bei Hertha BSC mit drei Toren ganz allein entschied

Sven Goldmann

Später wird Martin Fenin sagen, er sei ein bisschen nervös gewesen – erstes Spiel in der Bundesliga und dann gleich im riesigen Olympiastadion. In der Winterpause hat Eintracht Frankfurt den Tschechen für 3,5 Millionen Euro aus Teplice verpflichtet. Entsprechend hoch sind die Erwartungen. Mutter und Vater sind nach Berlin gekommen, um das Debüt des 20-jährigen Stürmers zu verfolgen.

Es wird ein schöner Nachmittag für Familie Fenin.

Schon nach zehn Minuten steht der Debütant zum ersten Mal im Mittelpunkt. Markus Weissenberger flankt von der linken Seite, in der Mitte stehen Fenin und Herthas Pascal Bieler. Der Frankfurter steigt hoch und drückt den Ball mit der Stirn aufs Tor, doch Herthas Torhüter Jaroslav Drobny bekommt noch die Finger dran. Die anschließende Ecke von Fink leitet Frankfurts Kapitän Ioannis Amanatidis weiter, direkt auf Fenin, aber wieder hat Drobny das bessere Ende für sich. Dieses Zusammenspiel des griechisch- tschechischen Frankfurter Sturmes wird das Spiel prägen.

Martin Fenin wirkt mit seiner hageren Statur ein wenig unbeholfen, doch das täuscht. Der Tscheche weiß genau, wann er den Ball zu halten und wann er ihn abzuspielen hat, er ist ein Instinktspieler. „Außerdem arbeitet er hart, das muss ein Stürmer bei uns auch machen“, sagt Frankfurts Trainer Friedhelm Funkel. „So etwas wird an Tagen wie heute auch belohnt.“ Die erste Belohnung holt Martin Fenin sich kurz vor der Halbzeitpause ab, und natürlich entspringt dieses Frankfurter Führungstor einem Zusammenspiel mit Amanatidis. Der flankt aus halblinker Position, Fenin stoppt den Ball am Fünfmeterraum und jagt ihn mit dem rechten Fuß in die kurze Ecke. 1:0. Überfällig.

Alle Nervosität ist nun wie weggeblasen. Hertha rückt auf und bemüht sich mit naiver Offenheit um den Ausgleich. Nach einer Stunde will Pal Dardai das Spiel schnell machen, doch sein Pass an der Mittellinie missrät ihm, Amanatidis springt dazwischen und schickt gleich Fenin auf die Reise. Der nimmt ihn mit dem linken Außenrist mit, läuft im Duell eins gegen eins gegen Sofian Chahed, steigt mit dem rechten Fuß über den Ball, beschleunigt im richtigen Augenblick und schießt hart mit dem linken Fuß, wieder in die kurze Ecke. 2:0. Das ist mehr als eine Vorentscheidung.

„Für solche Tore haben wir ihn geholt“, sagt Amanatidis später. Eine Minute vor Schluss klappt das Zusammenspiel mit Fenin einmal andersherum. Der Tscheche flankt von der linken Seite, der Ball setzt kurz vor dem Fünfmeterraum auf, Amanatidis stürmt heran, gerät dabei in Rücklage und verpasst das dritte Tor. Das schießt dann doch wieder Fenin. Herthas Bryan Arguez stolpert in der Vorwärtsbewegung. Wieder ist Amanatidis zur Stelle, wieder findet sein Pass Fenin, und wieder schlägt der Ball in der kurzen Ecke des Tores ein.

Drei Tore mit ein und derselben Variante erzielt – das spricht nicht gerade für intelligentes Berliner Abwehrverhalten. Fenin ist das ziemlich egal, er freut sich über eine doppelte Premiere: das erste Bundesligaspiel und den ersten Hattrick seiner Karriere. Sven Goldmann

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