Sport : 90 MINUTEN MIT Michael Ballack

Wie der deutsche Mittelfeldregisseur das Spiel gegen Island erlebte

Stefan Hermanns

Wahre Größe zeigt sich oft an Kleinigkeiten. Von den 22 Spielern, die zu Beginn des EM-Qualifikationsspiels zwischen Island und Deutschland auf dem Platz stehen, tragen 21 eine Nummer zwischen 1 und 11 auf ihrem Rücken. Nur einer nicht. Michael Ballack spielt im Trikot mit der Nummer 13. Solche Privilegien genießen nur echte Stars. Johan Cruyff zum Beispiel hat allen gleichmacherischen Tendenzen zum Trotz in der holländischen Nationalmannschaft immer mit der Nummer 14 auf dem Rücken gespielt.

Die 13 ist die Nummer, mit der Michael Ballack im vergangenen Jahr bei der Weltmeisterschaft vom Schnösel mit Hang zum Phlegma den Wandel zum Superstar vollzogen hat. Die Anhänglichkeit an die 13 ist also durchaus verständlich. Ballack hat die deutsche Nationalmannschaft bei der WM mit seinen Toren im Viertel- und im Halbfinale ins Endspiel geschossen, und seitdem sind in Deutschland immer mehr Menschen der Ansicht, dass die Nationalelf ohne Ballack gar nicht erfolgreich spielen kann. Zuletzt hat er zweimal gefehlt. Heraus kam ein dürftiges 2:0 gegen die Färöer und ein 0:1 gegen Italien. „Ich bin nicht der Heilsbringer“, hat Ballack deshalb vor dem Spiel gegen die Isländer gesagt. Wenn Michael Ballack alle Erwartungen erfüllen sollte, die sich mit seinem Mitwirken bei der Nationalmannschaft verbinden, dann müsste er nicht nur die Tore selbst schießen, sondern als Lenker im Mittelfeld auch noch vorbereiten. Das ist mehr, als ein Spieler leisten kann. In der 20. Minute hätte Ballack wenigstens eine dieser Anforderungen fast erfüllt. Nach der dritten Ecke für die Deutschen kommt er im Strafraum zum Kopfball. Der isländische Torhüter Arason aber hält.

Ballack bemüht sich, dem Spiel Konturen zu geben. Meist sieht die Eröffnung so aus, dass der Ball aus der Defensive zu Ballack gespielt wird – und der dann gucken muss, was er damit anfängt. Einmal redet er auf seine Mitspieler Christian Rahn und Sebastian Kehl ein, zeigt ihnen, wohin sie laufen müssten, damit er sie anspielen kann.

Allein in der ersten Halbzeit kommt der Münchner auf rekordverdächtige 47 Ballkontakte. Dass Ballack dabei elf Fehlpässe spielt, ist fast normal. Wer viel macht, macht auch viele Fehler. In der Anfangsphase des Spiels tritt Ballack 32 Meter vor dem Tor zu einem Freistoß an. Er läuft, schießt – der Ball landet halbhoch in der Mauer. Chance vertan. Wie so vieles an diesem Abend.

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