90 MINUTEN mit … : Michael Rensing

Wie Kahns Vertreter das Spiel in Berlin erlebt hat

Stefan Hermanns

Michael Rensing kann seine Herkunft nicht verleugnen. Als Torhüter stammt er von Oliver Kahn ab. Er trainiert mit ihm beim FC Bayern München, er will seinen Platz in der neuen Saison einnehmen, und wann immer sich bis dahin die Gelegenheit ergibt, Kahn kurzfristig zu ersetzen, will er eine möglichst wirklichkeitsgetreue Kopie seines Ahnherrn sein. So wie gestern im Berliner Olympiastadion, als er für den einmalig suspendierten Kahn in die Mannschaft rückte. In der 60. Minute fliegt ein Schuss von Pal Dardai auf sein Tor, der Ball dreht sich Richtung Winkel, Rensing fliegt – und dann legt er einen astreinen Kahnschen Übergreifer hin: Er greift mit der linken Hand über den Kopf und lenkt den Ball zur Ecke.

Es ist die beste Parade Rensings in der besten Phase Herthas, die etwa eine Viertelstunde dauert. Direkt nach der Pause wehrt er einen Flachschuss von Gilberto ab, Pantelic trifft nur das Außennetz, und die Ecke nach Dardais vereiteltem Versuch enthüllt die größte Schwäche Rensings: die Strafraumbeherrschung. Der 23-Jährige kommt aus seinem Tor, springt unter dem Ball hindurch, Josip Simunic aber kann den Fehler nicht nutzen und köpft am Tor vorbei. Sonst gerät die Serie Rensings nicht ernsthaft in Gefahr. Mit ihm im Tor haben die Bayern noch nie ein Bundesligaspiel verloren. Auf 18 Einsätze hat es Rensing seit seinem Debüt im Februar 2004 gebracht, bei zwölf Siegen und nun sechs Unentschieden.

Für den Torhüter der Bayern beginnt der Arbeitstag recht beschaulich. In der Anfangsphase, bei einem Eckball seiner Mannschaft, steht er 30 Meter vor seinem Tor und versucht sich mit gymnastischen Übungen einigermaßen auf Betriebstemperatur zu halten. Von den Gegnern aus Berlin ist in dieser Phase des Spiels keine Unterstützung zu erwarten. Auf den ersten Ballkontakt muss Michael Rensing fast 20 Minuten warten. Ein Schuss von Gilberto bringt ihn ins Spiel. Der Brasilianer hat den Ball nach einer Verletzungsunterbrechung zu den Bayern zurückgepasst. Stefan Hermanns

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