90 MINUTEN mit … : Miroslav Klose

Bei der Rückkehr von Bayern-Stürmer Miroslav Kose schlägt ihm von den Rängen blanker Hass entgegen. Auf dem Rasen war die Begegnung mit seinen alten Arbeitskollegen auch eher schmerzhaft.

Frank Hellmann
Klose
Rüder Empfang. Naldo foult Klose. Sein Einsatz gegen England ist fraglich. -Foto: ddp

Kaum Regung, kaum Emotion. Miroslav Klose mochte hinterher nicht so viel reden über einen Arbeitstag, den der 29-Jährige sicherlich nicht vergessen wird. „So ist Fußball. Das war doch alles ganz normal“, befand der Neu-Münchner. Aber war das, was der Nationalspieler gestern im Bremer Weserstadion erlebte, wirklich normal? Schon bei der Einfahrt des Bayern-Busses erklangen Hasstiraden, die Anhänger beschimpften ihn beim Warmlaufen, beim Verlesen der Mannschaftsaufstellung gab es Pfiffe, die sich zum Orkan steigerten, als der drei Jahre für Werder stürmende Nationalspieler von Bremens Geschäftsführern Jürgen L. Born und Klaus Allofs offiziell verabschiedet wurde. Mit Präsenten, mit Blumen und Bildband. Stadionmoderator Christian Stoll konnte dabei so oft an die Fairness appellieren, wie er wollte: Die Worte wurden von einem Sturm an Unmutsäußerungen übertönt.

Nur wenige Minuten später outete sich auch sein ehemaliger Mitspieler Naldo als unfairer Zeitgenosse: Klose war ihm nach vier Minuten entwischt und hatte ihm den Ball durch die Beine gespitzelt, da fuhr im der Brasilianer brachial in die Beine. Schiedsrichter Markus Merk zückte Gelb – und damit war Naldo gut bedient, der Klose kurz vor der Pause noch ein zweites Mal – ungestraft – in die Parade fuhr. Die Folge: Klose musste zur Pause ausgewechselt werden. „Ich bin am Sprunggelenk verletzt. Naldo wollte den Ball spielen, das war eine unglückliche Aktion und keine Absicht.“ Ungerührt sagte Naldo später: „Ich werde mich dafür nicht entschuldigen. In der Bundesliga wird hart gespielt.“

Auch Klose nahm das Foul und die Schmerzen äußerlich erstaunlich gelassen hin. „Ich habe die zweite Halbzeit mit einer Eispackung am Fuß vor dem Fernseher verfolgt. Man muss abwarten. Ich glaube und hoffe, aber dass es nicht so schlimm ist. Das sagt mir mein Gefühl.“ Trainer Ottmar Hitzfeld hat dennoch Sorgen, dass sein Angreifer nicht fürs Länderspiel gegen England am kommenden Mittwoch nominiert werden kann: „Das ist sehr fraglich.“

Bremens Sportchef Klaus Allofs äußerte für die Vorkommnisse rund um Klose nur bedingt Verständnis. „Selbst der Letzte ist ja darauf hingewiesen worden, Klose nicht auszupfeifen.“ Er wies auf ein sich wieder normalisierendes Verhältnis zum FC Bayern und Klose hin: „Wir sind mit Miro nicht verfeindet. Er war sogar noch in der Kabine bei uns. Bis auf die Tatsache, dass er sich verletzt hat, war es doch kein unangenehmer Nachmittag für ihn.“ Frank Hellmann

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