90 MINUTEN mit … : Miroslav Klose

Bayerns Stürmer darf wieder nur vorbereiten

Michael Neudecker

Neulich haben sie eine lustige Übung gemacht im Training beim FC Bayern. Mark van Bommel hat sich ein paar Bälle zurechtgelegt, dann hat er sie auf der Torlinie zu Miroslav Klose geschoben, und Klose hat die Bälle ins Tor gedroschen, einen nach dem anderen. So eine Übung sei wichtig, sagt van Bommel, „damit Miro das Gefühl wieder kriegt“. Das Gefühl, wie es ist, wenn der Ball im Netz zappelt. Das hatte der Stürmer Klose nämlich nicht so oft zuletzt: in den zurückliegenden 16 Einsätzen in Bundesliga und Uefa-Cup nur drei Mal. Am Samstagnachmittag, beim 2:1 gegen Leverkusen, war gut zu sehen, warum es derzeit so selten klappt – und warum die Statistik für ihn auch insgesamt stolze neun Vorlagen in beiden Wettbewerben notiert. Am deutlichsten kam das gestern in zwei Momenten zum Ausdruck.

Der erste war in der 17. Minute, als Klose mit Ball alleine vor Leverkusens Torwart René Adler auftauchte – und dann auf Toni zurücklegte. Der Italiener schob ein. Und dann der zweite Moment: Es lief die 66. Minute, als Toni aufs Tor zulief, Klose stand versetzt hinter ihm, einschussbereit – doch Toni zog selbst ab, und der Ball flog übers Tor. Toni hob kurz die Hand, sorry, und trabte dann zurück. Klose aber schimpfte und gestikulierte, minutenlang. Er war sauer.

Es war mal wieder so ein typisches Toni-und-Klose-Spiel: Toni strotzte nicht gerade vor Einsatzfreude, aber wenn der Ball in den Strafraum flog, war er da. Und Klose rannte eifrig über den Rasen, forderte Toni immer wieder lautstark zu mehr Engagement im Pressing auf – und ging nach 77 Minuten vom Feld, ohne selbst getroffen zu haben. „Miro hat toll für Luca aufgelegt“, sagte Trainer Ottmar Hitzfeld hinterher, „hätte Luca das auch getan, hätte Miro auch ein Tor gemacht.“

Miroslav Klose war da schon längst aus dem Stadion. Er war nach dem Duschen nach draußen gesprintet, ohne nach rechts oder links zu schauen. Gelächelt hatte er nicht. Michael Neudecker

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