90 MINUTEN mit … : Mladen Krstajic

Schalkes Verteidiger wird am Ende sogar getunnelt

Jörg Strohschein

Noch nicht einmal der Reporter des hauseigenen Senders bekommt eine Einschätzung. Mladen Krstajic schüttelt nur kurz den Kopf und brummt dem Reporter von Schalke-TV zu: „Nein, heute nicht.“ Danach verschwindet er im Mannschaftsbus. Es war offensichtlich eine persönliche Demütigung, die ihm rund 30 Minuten zuvor widerfahren war und die ihn seiner Stimme beraubte. Ivan Klasnic hatte dem Serben einen Beinschuss versetzt. Und noch viel schlimmer: Im Anschluss daran umkurvte er ihn mit Leichtigkeit und schob den Ball erneut durch die Beine eines Gegenspielers. In diesem Fall durch die von Torhüter Manuel Neuer. Es läuft die 89. Minute und dieser kuriose Treffer bedeutet den Endstand von 5:1 für Werder Bremen. Die Schmach für den stolzen Serben hätte kaum größer sein können.

Dabei war es nur der Höhepunkt einer Woche, an die der 34-Jährige sich nicht gerne zurückerinnern wird. Am vergangenen Mittwoch, in der Champions League gegen den FC Barcelona, hatte er mit einer unglücklichen Rettungstat den Ball zwar in letzter Sekunde von der Schalker Torlinie geklärt. Aber der landete direkt vor den Füßen von Yaya Touré, der den Siegtreffer für Barcelona erzielte.

Und auch in der ersten Hälfte gegen die Bremer ist Krstajic entscheidend am Führungstreffer beteiligt. Nach einem Missverständnis zwischen ihm und Neuer köpft Frank Baumann den Ball unbedrängt ein. Die Addition dieser unglücklichen Umstände scheint ihre Wirkung beim sonst als emotionslos geltenden Krstajic zu hinterlassen. Er zeigt ungekannte Konzentrationsschwächen. Vor allem seine Zweikampfstärke und seine Gelassenheit bei Ballbesitz leiden darunter. Zudem sorgen die quirligen und stets die Positionen wechselnden Angreifer Markus Rosenberg und Boubacar Sanogo dafür, dass Krstajic überfordert wirkt und oft nur hinterherhechelt. Bei seinen seltenen Ballgewinnen weiß er sich oft nur mit langen Befreiungsschlägen zu helfen, anstatt wie sonst mit einem gezielten Pass den eigenen Mitspieler zu suchen. Zielstrebigkeit zeigt er einzig nach der Partie bei der Suche nach einem Rückzugsort. Jörg Strohschein

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