90 MINUTEN mit … : Per Mertesacker

Werders Verteidiger hat einen schwarzen Tag

Oliver Trust

Mit versteinertem Gesicht marschiert Per Mertesacker aus der Kabine direkt in den Mannschaftsbus, schweigend und streng nach vorne blickend. Der Bus der Bremer fährt gerade ab, als Mario Gomez frisch geduscht aus der Kabine kommt und von so ziemlich jedem Reporter umringt wird, der an diesem Tag im Stuttgarter Daimlerstadion ist. Gomez schießt gegen Werder nicht nur drei Tore, sondern wird auch noch von Verteidiger Mertesacker gefoult, was für den Bremer Folgen hat. Dabei muss der Nationalspieler normalerweise höchst selten foulen. Probleme mit Gegenspielern pflegt er normalerweise durch sportliche Fähigkeiten wie Schnelligkeit und gutes Stellungsspiel zu lösen. Nach dem Foul an Gomez kassiert er den ersten Platzverweis in seiner Bundesliga-Karriere; in der 89. Minute, kurz vor dem Ende einer denkwürdigen Partie.

Es steht schon 6:3, als Gomez sich „den Ball zu weit vorlegt und Per dafür bestraft wird“, wie der Stuttgarter Stürmer sagt. „Ich bin zum Schiri und habe gesagt, dass da Gelb auch gereicht hätte. Ich hoffe, Merte wird jetzt nicht lange gesperrt“, sagt Gomez. „Er ist einer der fairsten Spieler der Liga.“ Besser könnte ein Anwalt Mertesacker vor dem Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes auch nicht verteidigen.

Dass Mertesacker so eilig im schützenden Mannschaftsbus verschwindet, hat noch einen anderen Grund: In der 83. Minute tanzt ihn zuerst der eingewechselte Schweizer Ludovic Magnin an der linken Strafraumecke aus, Mertesacker rutscht weg und liegt zunächst auf dem Rasen. Er rappelt sich wieder auf. Dann eilt er zurück in die Mitte, um auszuhelfen, da Magnin einen Pass direkt vor das Tor spielt. Dort steht Mertesackers Kollege Clemens Fritz – was sich erst auf den zweiten Blick als Unglück heraus stellt. Fritz versucht den Ball von der Linie zu schlagen und trifft dabei ausgerechnet die Beine von Mertesacker. Von dort aus prallt der Ball ins Tor der Bremer, 5:3. Es ist damit „sein“ Tor, das von Per Mertesacker. Schon zu dem Zeitpunkt sieht der groß gewachsene Fußballprofi recht verzweifelt aus. Das steigert sich noch, als ihm Fifa-Schiedsrichter Herbert Fandel eine Minute vor dem Ende die Rote Karte vor die Nase hält. Kommentarlos geht Mertesacker sofort vom Platz, das Trikot über den Kopf gezogen.

Der Bremer muss nun trotz der Amtshilfe vom Nationalmannschaftskollegen Gomez in der Bundesliga mit einer Sperre rechnen. Am Donnerstag im Rückspiel des Uefa-Cups gegen die Glasgow Rangers aber kann er auf alle Fälle spielen. „Es ist bitter, wenn du in so einem Spiel auch noch einen solchen Mann verlierst", sagt Bremens Manager Klaus Allofs. „Heute ist einiges nicht so gelaufen.“ Damit könnte er auch den insgesamt unglücklichen Auftritt von Mertesacker meinen. Dass bei dem am Samstag in Stuttgart einiges „nicht so gelaufen“ ist, kann jeder zudem in der Spielstatistik ablesen. Dort steht unter „meiste Fouls" auf Seiten der Bremer ein gewisser Per Mertesacker verzeichnet. Anzahl der Fouls: drei. Insgesamt 15 hatten alle Bremer Spieler zusammen in den 90 Minuten begangen. Oliver Trust

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