90 MINUTEN mit … : Peter Niemeyer

Bremens Torschütze feiert und leidet zugleich

Frank Hellmann

Als sich die Protagonisten von Werder Bremen noch fürs historische 8:1 gegen Arminia Bielefeld im Weserstadion feiern ließen, war Peter Niemeyer auf dem Weg ins Krankenhaus, zum Röntgen des Knies. Möglicherweise ist der Meniskus beschädigt. Und die Psyche. Denn Niemeyer, 23 Jahre jung, in Hörstel-Riesenbeck geboren, hat gestern in 33 Minuten so viel erlebt wie zuvor nicht in neun Monaten an der Weser. Überraschend aufgestellt, überragend gespielt, ein Tor geschossen, am Ende aber verletzt. Freud und Leid in nicht mal einer Halbzeit.

Es war ein Klassespiel von ihm. „Er hat die ganze Zeit auf diesen Tag hingearbeitet“, sagte Trainer Thomas Schaaf, der viel Mitgefühl mit seinem 1,91 Meter großen Mittelfeldmann zeigte. Denn bis zu seiner verletzungsbedingten Auswechslung war Niemeyer auf gutem Wege, Mann des Tages zu werden. Erstmals in dieser Saison in der Startelf bot der 23-Jährige im rechten Mittelfeld eine couragierte Vorstellung und erzielte per Dropkick das 1:0. Dummerweise konnte sich der Blondschopf über sein erstes Tor im erst fünften Bundesliga-Einsatz nicht lange freuen: Nach einem Pressschlag mit Andre Mijatovic mussten beide Akteure vom Feld.

Auch Manager Klaus Allofs lobte den Auftritt: „Von der Bewegung und Körpersprache war es etwas ganz anderes, als wir bisher bei ihm gesehen hatte.“ Dazu muss man wissen: Vor geraumer Zeit ist Niemeyer bei der sportlichen Leitung nicht einmal für gut genug gehalten worden, um auf der 25-köpfigen Meldeliste für die Champions League aufzutauchen. „Man muss sehen, ob es für unser Niveau reicht“, lästerte Allofs vor wenigen Wochen. Dennoch ließ sich Niemeyer nicht hängen. Er hat eben Ehrgeiz – und Talent. Im Winter hatten die Bremer ihn schließlich auf Empfehlung von U-21-Trainer Dieter Eilts von Twente Enschede geholt. Er gilt als vielseitig, zweikampfstark und technisch begabt und passt damit optimal fürs gehobene Bremer Anforderungsprofil.

Und die fehlende Spielberechtigung für die Champions League? „Die Entscheidung ist damals halt so getroffen worden“, sagt Allofs. „Wir konnten nicht unbegrenzt melden“, ergänzt Schaaf. Bei beiden klang ein bisschen Bedauern durch. Und Staunen. Frank Hellmann

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