90 MINUTEN mit … : René Adler

Der neue Nationaltorhüter erlebt einen Misserfolg

Klaas Bender

Es ist kein normaler Samstagnachmittag für René Adler. Dafür war am Freitag für den Torhüter von Bayer Leverkusen zu viel passiert. Morgens um 8.30 Uhr hatte ihn Bundestorwarttrainer Andreas Köpcke mit einem Anruf geweckt und ihm mitgeteilt, dass er zur Europameisterschaft fährt. Noch gestern kann Adler es kaum fassen: „Erwartet habe ich das nicht.“ Als Adler dann vor dem Spiel gegen Werder Bremen zum Warmmachen den Rasen der Leverkusener Arena betritt, wird er von den eigenen Fans gefeiert. Dafür, dass ihn Bundestrainer Joachim Löw anstelle von Timo Hildebrand als Ersatztorhüter mit nach Österreich nimmt.

Ersatztorhüter? Die Fans von Bayer trauen ihrem jungen Torwart noch mehr zu. Das Spiel gegen Werder ist erst drei Minuten alt, da schallt es von den Rängen: „Adler für Deutschland, Lehmann raus.“ Große Gelegenheit, seinen Anspruch als neue deutsche Nummer Eins zu beweisen, hat der Mann, der bislang lediglich vier Mal in der U-21-Nationalmannschaft für Deutschland spielte, allerdings am letzten Bundesliga-Spieltag zunächst nicht. In der 42. Spielminute greift er erstmals ins Spiel ein, als er vor dem heranstürmenden Bremer Tim Borowski klärt.

Für die Leverkusener geht es um viel: Die Mannschaft kämpft um den Einzug in den Uefa-Cup und muss unbedingt gewinnen. An eine Galavorstellung des Torhüters denkt da niemand. Dabei konnte sich der 1,91 Meter große Torwart mit der enormen Sprungkraft und den erstaunlichen Reflexen in dieser Saison häufig beweisen. Erst vor einem guten Jahr hatte er in der Bundesliga debütiert und trotzdem wurde Löw schon auf ihn aufmerksam. Adlers Klubtrainer Michael Skibbe sagt sogar: „René hat bei seiner Nominierung von unseren schlechten Leistungen profitiert, weil er so oft viele Schüsse aufs Tor bekommen hat und sich beweisen konnte.“

Beweisen kann sich der 23 Jahre alte gebürtige Sachse gestern in seinem 41. Bundesligaspiel lange nicht. Die Bremer kommen selten in die Nähe des Leverkusener Strafraums. Es sieht so aus, als sollte Adler den Nachmittag ohne Gegentor bestreiten können. Doch dann kommt die 80. Spielminute: Die Bremer überspielen das Leverkusener Mittelfeld. Torsten Frings legt den Ball flach in den Lauf von Markus Rosenberg und der Schwede hat keine Mühe, den machtlosen Adler zu überwinden. Bremen gewinnt 1:0, die Bundesliga-Saison endet für Adler mit einer bitteren Niederlage – Leverkusen wird nicht einmal im UI-Cup spielen.

„Ich habe versucht, meine Freude über die Nominierung zu unterdrücken und mich nur auf das Spiel zu konzentrieren“, sagt Adler nach dem Spiel. Genützt hat es nichts. „Bremen hat eben seine eine Chance genutzt. Und wir nicht. Daher stehen wir nun mit leeren Händen da.“ Aber René Adler bleibt ja noch die EM. Wobei er dort die Spiele der Deutschen wohl maximal von der Auswechselbank aus verfolgen dürfte. Klaas Bender

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