Sport : 90 MINUTEN MIT Ruben Gonzalez Rocha

Wie Gladbachs Neuer von Real Madrid in Stuttgart spielte

Oliver Trust

Der Mann mit der Nummer 23 im grünen Trikot und dem Namen „Ruben“ auf dem Rücken grinste in dieser 90. Minute. Er umarmte die Mitspieler. Der von Real Madrid ausgeliehene Ruben Gonzalez Rocha (Foto: AP) hörte in dem Moment nicht, was sein Trainer Holger Fach über ihn sagte. „Er ist sehr ruhig und sicher. Klar, dass er als junger Spieler noch manchen Aussetzer dabei hat, aber ich bin sehr zufrieden.“

Von Anfang an war der spanische Verteidiger, der für Real schon in der Champions League gespielt hat, der große Dirigent, allerdings immer in der eigenen Hälfte, weil er wohl vorsichtig sein wollte. Das war auch angebracht. In der fünften Minute verliert er den ersten Zweikampf gegen Szabics, nur zwei Minuten später den zweiten, und das hatte Folgen. Der Ungar ist bei der Flanke von Horst Heldt einen Schritt schneller. Der Ball saust ins Netz und Gladbachs Torwart Jörg Stiel gibt Ruben einen Klaps auf den Hintern.

Der Spanier, erst 22 Jahre alt, spielt eine Art Libero, dirigiert im Akkord, gibt Anweisungen, als habe er schon immer in der Viererkette der Gladbacher gespielt. Dabei ist er erst in der Winterpause gekommen. Die achte Minute verläuft schmerzhaft für den Neuen. Er rettet per Kopf zu einem Eckball, aber prallt heftig mit Stiel zusammen. Filigranes Spiel, das jeder von einem Mann erwartet, der von Real gekommen ist, unterlässt er jetzt lieber. Die Stuttgarter drücken. Der Spanier beschränkt sich auf Befreiungsschläge. In der 18. Minute passt er nicht besonders gut auf. Sein Torwart muss gegen den heranstürmenden Heldt retten, weil Ruben zu spät kommt. Immerhin sehen seine Bewegungen souverän aus. Eine Minute später gewinnt der Gladbacher zwei Zweikämpfe gegen Szabics und Kuranyi. Das gibt Selbstvertrauen. Zudem tun sich die Stuttgarter immer schwerer. Der Vorsprung löst keine neue Motivation aus.

Nun traut auch Ruben sich zu, ein paar Schritte nach vorne zu machen. Nach dem Pausenpfiff geht er zum Schiedsrichter und diskutiert, zeigt ihm zwei, drei Finger, die Worte ersetzen sollen, die er noch nicht kennt. Den Blick zurück vergisst er trotzdem nicht. Er dreht den Kopf und zählt die Sicherungen hinter ihm.

Aber Ruben kann auch zulangen. Als Hleb ihm davonzulaufen droht, foult er ihn. Und kurz vor Schluss beharkt er sich mit dem Marco Streller. Er gestikuliert und diskutiert mit dem Schweizer Stürmer. Später reichen sie sich die Hände und legen herzlich die Arme umeinander. Der Gladbacher ist froh, dass seine Mannschaft noch einen Punkt geholt hat. Trotzdem ist es kein ganz guter Tag für Ruben. Er hat sich im Spiel die Schulter ausgekugelt und muss nach dem Abpfiff ins Krankenhaus.

Sollte er ausfällen, würde das Holger Fach gar nicht gefallen. „Es ist erstaunlich, wie gut er sich eingepasst hat“, sagt Gladbachs Trainer. „Er spricht gerade fünf Worte Deutsch.“

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