Sport : 90 MINUTEN MIT Uli Hoeneß

Wie Bayerns Manager das Spiel gegen Werder erlebte

Daniel Pontzen

Als Uli Hoeneß (Foto: ddp) Richtung Trainerbank schlendert, um kurz vor halb vier, hat er die rechte Hand in der Hosentasche vergraben, in der linken trägt er seinen rot-blauen Anorak. Er wirkt auf seltsame Weise angespannt und gleichzeitig gelassen. In der vergangenen Woche ist er noch einmal in die Rolle des PR-Chefs der FC Bayern AG geschlüpft, genau wie im vergangenen Herbst, als er nach einem mühseligen 0:0 bei Celtic Glasgow schon einmal die Strategie des Sichstarkredens gewählt hatte.

Während die Fotografen sich vor Ottmar Hitzfeld drängeln, lässt sich Hoeneß auf seinem Platz nieder. Als die Mannschaften sich bereit machen, rutscht er auf seiner Sitzschale nach vorn, klatscht in die Hände. Er tut das so fest, als solle man es im ganzen Stadion hören. Nach vier Minuten, als Ailton frei vor Oliver Kahn auftaucht, zeigt Hoeneß keine Regung. Als Makaay nach 18 Minuten auf das Bremer Tor zuläuft und sein Schuss abgeblockt wird, zeigt er im Gegensatz zu all seinen Sitznachbarn dieselbe Reaktion: keine.

Dann beginnt das, was Hoeneß und den Bayern als Zeit des Grauens in Erinnerung bleiben wird. Der Aussetzer von Kahn nimmt Hoeneß mit finsterer Miene zur Kenntnis. Einige Worte wechselt er mit Ottmar Hitzfeld, dann lehnt er sich zurück. Sieben Minuten später: das 0:2. Uli Hoeneß nimmt die Brille von seiner Nase und schaut durch die Gläser, so, als habe er all das nicht mitbekommen. Als neun Minuten später das 0:3 fällt, wendet sich Hoeneß ab. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, der Mannschaftsarzt, muss sich Hoeneß’ Analyse anhören, der Manager findet dabei deutliche Worte, das ist aus sehr großer Entfernung zu erkennen.

Nach dem Halbzeitpfiff stapft Hoeneß Richtung Kabine, mit zusammengepressten Lippen. Als zehn Minuten nach der Pause Makaay Bayerns einziges Tor schießt, springen alle auf, die einen Platz auf der Bayern-Bank haben und feuern die Mannschaft an. Nur Hoeneß setzt sich gleich wieder hin. So recht scheint er nicht an die Wende zu glauben. Die nächste halbe Stunde bestätigt diese Ahnung. Als der Abpfiff ertönt, erhebt sich Hoeneß von seinem Sitz, sein Blick wandert hinüber zu den Münchner Spielern. Dann schreitet er hinüber zur Bank des Gegners, nähert sich dem Pulk von Fotografen, der sich um Bremens Trainer Thomas Schaaf drängt. Es ist nicht leicht, eine Lücke zu finden. Als er es nach einigen Sekunden geschafft hat, streckt er die Hand aus. Er ist Thomas Schaafs erster Münchner Gratulant.

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