Sport : 90 MINUTEN MIT Yildiray Bastürk

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Die rote Nummer zehn ist der kleinste Mann auf dem Platz – aber dazu gehört nicht viel, wenn man nur 1,68 Meter misst: Yildiray Bastürk (Foto: Reuters), der Riese am Ball von Bayer Leverkusen. Die Nummer zehn trägt meistens der Spielmacher, der Lenker, meistens ist das der einflussreichste Mann im Spiel. Bastürk spielt im türkischen Team hängende Spitze, das gefällt ihm nicht, das ist zu weit vorne, er hat „das Spiel lieber vor sich“, sagte er mal, kontrollierend also. Aber was soll man machen, der Aufstieg von einem, der noch vor fünf Jahren bei den Sportfreunden Wanne-Eickel gekickt hat zum Publikumsliebling in Leverkusen und Stammspieler in der türkischen Mannschaft des WM-Viertelfinales gegen Senegal ist auch als hängende Spitze sehr schön. Also begibt er sich hinter die Kollegen Sükür und Sas, weicht aber gerne mal ab von der strengen Traineranordnung und aus: mal auf den linken Flügel, mal auf den rechten, einmal sogar macht er in den Anfangsminuten einen Ausflug ins eigene Abwehrzentrum und grätscht Senegals Camara den Ball ab. Bastürk will mitspielen, mischt sich ein, sucht Einfluss – wahrscheinlich ist die Nummer zehn für ihn auch als hängende Spitze gut gewählt. Omar Dafs Wahl der Gegenmittel ist dagegen untauglich, nach einem Foul an Bastürk sieht Senegals Abwehrmann die Gelbe Karte.

Doch klappt auch bei Bastürk bei weitem nicht alles, was er versucht. In der 20. Minute hat er am linken Flügel eine hübsche Szene, tanzt gleichzeitig Diatta und Coly aus – aber dann rutscht ihm der Ball ins Aus. Bastürks Einfluss lässt nach zu dieser Phase des Spiels, was daran liegt, dass Senegal stärker wird und der Ball seltener ins Umfeld einer hängenden Spitze kommt. Und auch als sich die Türken gegen Ende der ersten Halbzeit aus der Belagerung wieder lösen können, bleibt Bastürk meist unbeteiligt. Er bietet sich an, mal rechts, mal links, aber es ist nicht mehr zwingend notwendig ihn anzuspielen, da wo er steht und läuft. Das wirkt jetzt, als wusele er ein wenig aus Alibi, als wisse er aber nicht recht, wo sein Platz ist. Und als wolle er ihn auch nicht suchen.

Die rote Nummer zehn verdient die Zehn heute nicht. Auch nach der Pause trabt Bastürk wie lustlos über den Platz. Immer noch bietet er sich an, aber meistens im gedeckten Raum. In der 53. Minute jedoch, da kann er berühmt werden, da spielt er Pape Dioup aus, aber sein Schuss wird abgeblockt. Es ist wohl auch nicht der Tag des Yildiray Bastürk. Sein Einfluss aufs Spiel geht gegen null. Oft geht er jetzt. Mit seinem tiefen Schwerpunkt über den kurzen, leicht O-förmigen Beinen und den schlenkernden Armen sieht das ein wenig angeberisch aus, was gewiss nicht gewollt ist. Vielleicht ist es nur Unbeholfenheit, vielleicht, weil der Kopf weiß, was eine hängende Spitze ist, der Körper das aber nicht verinnerlicht hat. Und doch lässt ihn Trainer Senol Günes im Spiel, bis zum Schluss, bis zum ganz großen Jubel. Helmut Schümann

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