Sport : 9000 Fans und jede Menge Toilettenpapier

Deutschlands Basketballer spielen in Sarajevo um die EM-Tickets

Sven Simon

Köln. Es ist verständlich, dass Bundestrainer Henrik Dettmann in bestimmten Situationen ungehalten reagiert auf die Fragen nach Deutschlands Basketballstar Dirk Nowitzki. Die Nationalmannschaft steht kurz davor, sich vorzeitig für die Europameisterschaft im kommenden Sommer in Schweden zu qualifizieren. Und das ohne den Flügelspieler, der derzeit in der NBA mit den Dallas Mavericks von Sieg zu Sieg eilt. Heute will der Tabellenführer der Gruppe C in Sarajevo gegen Bosnien-Herzegowina den siebten Sieg im achten Spiel holen. Während der Qualifikationsspiele zeigt sich, dass die Deutschen auch ohne Nowitzki zu Europas Elite gehören. Anfang des Jahres gewannen sie ohne den NBA-Star in Kroatien mit 78:71. Die große Stärke der deutschen Nationalspieler liegt darin, dass sie jedes Team ernst nehmen, von Beginn an aggressiv verteidigen und dem Gegner ihre Taktik aufdrängen.

Selbst gegen das drittklassige Zypern verteidigte die Mannschaft von Bundestrainer Henrik Dettmann vergangenen Samstag 40 Minuten lang mit vollem Einsatz und wurde mit einem 94:42-Sieg belohnt. Auf der Pressekonferenz in der Dessauer Anhalt-Arena zielte trotzdem bereits die dritte Frage auf den abwesenden Nowitzki ab. Wann er wieder für Deutschland spiele und was der Bundestrainer von der Siegesserie der Mavericks halte, fragte ein Journalist. „Dirk Nowitzki spielt immer im Sommer mit uns“, antwortete Dettmann. „Und dann können wir auch über ihn reden. Jetzt ist er nicht da, also reden wir über Spieler, die da sind.“

In Sarajevo treffen die Deutschen nun auf den Gegner, der ihnen vor fast genau einem Jahr in Dortmund mit 84:76 die einzige Niederlage in der Qualifikation zugefügt hat. „Niemand verliert gerne zweimal hintereinander gegen den gleichen Gegner“, sagt Dettmann. Er weiß aber auch, dass sein Team eine mit 9000 Fans ausverkaufte Halle erwartet. „Zunächst einmal wird das Spiel wohl später beginnen, denn das Spielfeld muss von Toilettenpapierrollen geräumt werden. Auch sonst wird mit allem geworfen werden, was nicht festgeschraubt ist. Darauf müssen wir uns einstellen, und wenn am Ende der Partie die Halle ganz ruhig ist, haben wir alles richtig gemacht.“ Bis auf Marko Pesic von Alba Berlin, der noch an den Nachwehen einer Magen-Darm-Grippe leidet, sind alle Leistungsträger fit.

Bosnien-Herzegowina habe natürlich ein anderes Niveau als Zypern, sagt Dettmann. „Gewinnen können wir nur durch eine gute Verteidigung.“ Besonders kümmern müsse sich sein Team um den reaktivierten Spielmacher Nena Markovic und um Center Jasmin Hukic, die zuletzt 33 und 21 Punkte beim 93:79-Sieg gegen Mazedonien machten. „Das sind alles sehr gut ausgebildete Spieler“, sagt Center Stephen Arigbabu. „Aber wir haben da ja noch etwas gutzumachen.“ Motivation bietet nicht nur die Niederlage im Hinspiel, sondern auch die Tatsache, dass sich die Deutschen noch vor den letzten Partien Ende Januar zu Hause gegen Kroatien und Mazedonien für die Europameisterschaft qualifizieren könnten. Und dann wird Bundestrainer Dettmann im Sommer auch gerne Fragen zu Dirk Nowitzki beantworten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar