• 99 Euro Schuldenabbau Der Eishockeyklub Berlin Capitals hat weiterhin Finanzprobleme

Sport : 99 Euro Schuldenabbau Der Eishockeyklub Berlin Capitals hat weiterhin Finanzprobleme

Steffen Hudemann

Berlin. Am vergangenen Donnerstag hatte Lorenz Funk einen schweren Gang vor sich. Die Spieler der Berlin Capitals hatten gerade ihr Training beendet, und ihr Präsident war auf dem Weg zur Umkleidekabine, um den Spielern mitzuteilen, dass es wieder kein Geld für sie geben würde. Die Situation der Capitals ist brisant. 200 000 Euro Schulden soll der Verein haben. Einige Spieler warten seit zwei Monaten auf ihre Gehälter.

Noch bevor Funk weitere schlechte Nachrichten verkünden konnte, fing ihn Capitals-Stürmer Jan Schertz ab. Er riet Funk, den Raum besser nicht zu betreten. Die Stimmung sei schlecht, die Spieler könnten handgreiflich werden. Funk blieb draußen und überließ den Vizepräsidenten Marian Czechowski und Klaus-Werner Riemer die Aufgabe. Wenig später meldete sich Torhüter Kristoffer Martin krank. Offiziell hat es ihn „an der Leiste erwischt“ – wahrscheinlicher ist, dass er aus Protest gegen das ausbleibende Geld in den Streik getreten ist.

Trainer Andreas Brockmann klagt: „Ich habe kaum Spieler beim Training.“ Er muss jetzt in den Spielen der Oberliga-Abstiegsrunde auf Nachwuchsspieler setzen. Am Wochenende verlief zumindest das erfolgreich. Am Freitag gewannen die Capitals in Stuttgart 2:1, am Sonntag schlugen sie Bayreuth 4:3. Damit hat das Team neun Punkte aus vier Spielen gesammelt und dürfte mit dem Abstieg wenig zu tun haben.

Die finanziellen Schwierigkeiten aber bleiben. Der Verein soll mit der Miete für die angemieteten Kabinen in der Deutschlandhalle im Rückstand sein. Werde diese nicht bald bezahlt, soll der Betreiber, die Messe Berlin, mit Rausschmiss gedroht haben, heißt es aus Vereinskreisen. Der Klub müsste dann sowohl auf die erstligareifen Kabinen mit Whirlpool und Sauna verzichten, als auch auf die vom Nachwuchs genutzten Bereiche. Laut Präsident Funk ist dieses Thema „erledigt“. Funk sagt: „Wir haben uns in der vergangenen Woche mit dem Betreiber geeinigt.“ Die Messe Berlin wollte sich zu möglichen offenen Forderungen nicht äußern.

Ein weiteres Problem sind die Zuschauer. Die Abstiegsrunde ist für viele Fans unattraktiv. Am vergangenen Sonntag kamen nur 1200 Zuschauer. Der Verein ist deshalb bemüht, neue Geldquellen aufzutun. Zum Heimspiel der zweiten Mannschaft gegen Schönheide am vergangenen Samstag ließ der Vorstand kurzfristig Karten drucken und kassierte von den überraschten Fans drei Euro Eintritt. Die Finanzkrise hat das nicht gelöst. Es kamen 33 zahlende Zuschauer.

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