Sport : 99 Luftballons

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Es ist vollkommen egal, ob Michael Ballack am Ende seiner Karriere auf 98, 99 oder 100 Länderspiele zurückblicken kann – doch die Art seiner Verabschiedung wird eine wichtige Rolle bei der Bewertung seiner Karriere spielen. Zur offiziellen Verkündung schweigt der 34-Jährige beleidigt. Wenn er gegen Brasilien noch einmal für Deutschland auflaufen sollte, steigt die Wahrscheinlichkeit für einen politisch korrekten und routinemäßig ehrenvollen Abschied. Eine solche Würdigung wäre angemessen seiner Verdienste wegen. Weil man gleichzeitig aber auch an Ballacks durchaus tragischen Abschied denken würde, wäre sie auch deplatziert.

Die nationale Katastrophe, als der Ballacks Ausfall bei der WM 2010 zunächst empfunden wurde, war nur noch ein Reflex wegen der kollektiven Aufgeregtheit vor dem Turnier. Bereits nach der EM 2008 brauchte die Nationalmannschaft ihren Anführer Ballack nicht mehr, streng genommen konnte Bundestrainer Joachim Löw bei der WM nichts Besseres passieren als dessen Ausfall. Nur wussten das vor der dann so gut verlaufenden WM nur wenige. Jetzt wissen es alle.

Das Ende der Zeit Ballacks im Nationalteam hat sich nun sehr lange hingezogen. Man hätte ihm trotz der Gefahr einer Majestätsbeleidigung auch eher sagen können, dass er nicht mehr gebraucht wird. So würde es jetzt nur starrsinnig wirken, wenn Ballack nicht gegen Brasilien spielte. Andererseits wäre es auch konsequent. Denn auf diesen Abschied kann Ballack getrost verzichten.

Er kommt viel zu spät, um noch eine Ehre zu sein.

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