Sport : 999 für Michael Schumacher

In Montreal siegt er vor seinem Bruder Ralf und übernimmt die Führung in der WM-Wertung

Karin Sturm

Montreal. Michael Schumacher war zwar nicht der Schnellste auf dem Circuit Gilles Villeneuve in Montreal – trotzdem feierte er gestern Abend seinen vierten Saisonsieg, den sechsten in Kanada überhaupt. Damit übernahm der Titelverteidiger mit jetzt drei Punkten Vorsprung auf Kimi Räikkönen zum ersten Mal in diesem Jahr die Führung in der Weltmeisterschaft der Formel 1 - und hat in seiner gesamten Karriere insgesamt 999 WM-Punkte eingefahren.

Der Weltmeister, der beim ersten Boxenstopp seinen bis dahin führenden Bruder Ralf knapp überholte und sich mit ihm das ganze Rennen über ein hartes Duell lieferte, konnte in den letzten Runden die mit vereinten Kräften anstürmende Phalanx der deutlich schnelleren Michelin-Piloten auf Distanz halten. Ralf Schumacher, Juan-Pablo Montoya und der wieder einmal stark auftrumpfende Fernando Alonso im untermotorisierten Renault hatten letztlich keine Chance. „Das war ein ideales Ergebnis, aber auch ein hartes Rennen", sagte Michael Schumacher nach seinem erneuten Triumph.

Trotz des etwas glücklichen Erfolges kann er im Moment mit der Reifensituation nicht zufrieden sein. Es scheint, dass Bridgestone die Entwicklung verpasst hat. Ob sich sein Bruder nicht inzwischen Sorgen mache, deshalb seinen WM-Titel zu verlieren, wurde Ralf Schumacher vor dem Rennen gefragt. Der grinste und sagte: „Wenn ich mir die Gesichter von Michael und den Ferrari-Leuten so anschaue, dann würde ich sagen: Das ist eindeutig. Michelin ist im Moment so gut, auf allen Strecken, da wird es Bridgestone sehr schwer haben, noch einmal aufzuschließen.“

Eine Vorentscheidung fiel schon kurz nach dem Start. Frank Williams hatte am Vormittag seine beiden Fahrer Ralf Schumacher und Montoya, die gemeinsam in der ersten Startreihe standen, zu sich beordert und ermahnt, sich in der ersten Kurve ja nicht gegenseitig zu bekriegen. Daran hielten sich die beiden dann auch brav. Montoya machte dann in der zweiten Runde den Fehler allein, als er sich drehte und auf Platz fünf zurückfiel. Hätte der Kolumbianer, der im Rennen fast immer aggressivere der beiden Williams-Piloten, da nicht so viel Zeit verloren, wäre Michael Schumacher das Siegen wohl noch schwerer gefallen.

So wusste man bei BMW-Williams nicht so recht, ob man sich nun über das Ergebnis freuen oder ärgern sollte. „Jetzt zeigt sich, dass Monaco keine Eintagsfliege war. Wir sind absolut auf dem richtigen Weg“, meinte Ralf Schumacher, „aber ein bisschen enttäuscht bin ich schon, weil wir den besseren Rennspeed hatten. Ich habe ja schon immer gesagt, dass dieses Auto eine Menge Potenzial hat, dass wir nur lernen müssen, es besser zu nutzen.“

Der bisherige WM-Spitzenreiter Kimi Räikkönen bezahlte den Preis für sein verpatztes Training, als er von der Strecke geflogen war und wie schon beim spanischen Grand Prix in Barcelona von ganz hinten starten musste. Um noch das Beste aus der Sache zu machen, entschied man bei McLaren, mit voll getanktem Auto für eine Ein-Stopp-Strategie aus der Boxengasse zu starten. Immerhin schaffte er es nach großem Kampf noch bis auf Platz sechs - obwohl sich ganz kurz vor seinem Boxenstopp die Lauffläche eines Reifens abgelöst hatte. „Angesichts der Tatsache, dass Kimi von ganz hinten gestartet ist, ist das Ergebnis kein Beinbruch“, sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug. „Im Rennen waren wir konkurrenzfähig, und drei Punkte Rückstand sind gar nichts.“ Bei Sauber hielt die Pechserie der vergangenen Rennen an – erneut fielen beide Autos mit technischem Defekt aus, Heinz-Harald Frentzen schon in der siebten, Nick Heidfeld in der 48. Runde.

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