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America’s Cup

Der Wind, der Wind, das ungezogene Kind

Laues Lüftchen vor Valencia: Die schlechten Witterungsbedingungen verzögern den sehnsüchtig erwarteten Start des America’s Cup.
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Laues Lüftchen vor Valencia. Alle waren bereit, nur das Wetter spielte nicht mit. Weil es zu wenig Wind gab, konnten die Hightech-Segeljachten gestern nicht auslaufen. Foto: dpa X80003
Der Tag, an dem Alinghi und BMW Oracle mit ihren gigantischen Segel-Maschinen erstmals im 33. America’s Cup aufeinandertreffen sollten, hatte in der Dämmerung begonnen. Kurz vor 7 Uhr in Valencia betraten die Segler von BMW Oracle in ihren weißen Hightech-Segelanzügen den roten Teppich im Containerhafen, in dem der US-Trimaran mit seinem fast 70 Meter hohen Mast auf sein erstes Rennen wartete. Die scharfen Gitarrenriffs der US-Indie-Band Jane’s Addiction dröhnten aus den Boxen, Fans und Zuschauer schwenkten US-Fähnchen und jubelten. „Wir sind bereit. Endlich kann es losgehen“, rief James Spithill, der australische Steuermann der USA 17, und grinste. Dann bestiegen die zehn Segler und Russell Coutts, Chef des US-Teams, gefolgt von Milliardär und Teameigner Larry Ellison, den 30 Meter mal 30 Meter breiten Trimaran und die Begleitboote. Ungefähr zur selben Zeit verließ die gegnerische Besatzung des US-Teams, der Katamaran Alinghi 5, das Hauptquartier der Schweizer Segler im America’s Cup-Hafen.

Um 13.46 Uhr war der erste Arbeitstag schon beendet. Instabile, sehr schwache Winde auf dem 20 mal 20 Seemeilen großen Regattakurs hatten den Start der „Best-of-Three“-Serie in einem America’s Cup verhindert, dessen Beginn bereits seit 30 Monaten durch die juristische Schlacht zwischen den Eidgenossen und BMW Oracle immer wieder verzögert worden war. So fällt die in Erwartung des Duells aufgebaute Spannung erst mal wieder ab. Viele fühlten sich bereits an die Flaute im April 2007 erinnert, als die Herausforderer-Serie, der Louis Vuitton Cup, erst nach einer desaströsen Wartezeit von neun Tagen beginnen konnte.

Im America’s-Cup-Finale selbst gab es damals keine Verzögerung. Für das Rennen 2003 stehen aber insgesamt zehn Ausfalltage in den Chroniken. Mal blies der Wind zu schwach, mal zu heftig. Die Meteorologen in Spanien machen allerdings Hoffnung, dass bald gesegelt werden kann. Denn im Lauf der Woche sollen die Winde stärker werden. Es wird spekuliert, dass diese Bedingungen ein Vorteil für das amerikanische Team sein könnten. Man kann aber nur hoffen, dass die Winde auch stabil genug sein werden. Auch gestern blies der Wind teilweise mit mehr als zehn Knoten, nur leider an der Wendemarke. Mit bis zu 14 Grad herrschten frühlingshafte Temperaturen vor der spanischen Mittelmeerküste. „Das könnte noch eine lange Woche werden“, sagte der deutsche Rekordsegler Jochen Schümann.

Das nächste Rennen ist für Mittwoch angesetzt. Dann haben die Duellanten allerdings einen dreischenkeligen Kurs von jeweils 13 Seemeilen zu bewältigen. Für das nächste Rennen, am Freitag, gilt dann wieder der zweischenkelige Modus des ursprünglich ersten Rennens.

Aber aufgrund der bisherigen Erfahrung ist nicht auszuschließen, dass die Duellanten überlegen, ein Problem vor Gericht klären zu lassen: ob der Wind einfach so launenhaft auftreten darf.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 09.02.2010)
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