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Schalke 04

Nicht auf der Höhe

Schalke lernt beim 0:1 gegen Valencia, dass nationale Klasse in Europa nicht reicht. Das Ziel die Gruppenphase zu überstehen ist in weite Ferne gerückt.
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Der Frust bei den Schalkern ist nach der 0:1-Pleite gegen Valencia groß. - Foto: ddp
Champions League ist ein Spiel mit eigenen Regeln und eigenen Ritualen. Ivan Rakitic, der 19 Jahre alte Mittelfeldspieler des FC Schalke 04, musste das schon feststellen, noch bevor sein Debüt in der Champions League richtig begann. Die Schalker hatten gerade das Defilee ihres Gegners abgenommen, da rannte Rakitic wie gewohnt in die Mitte des Feldes, doch der junge Schweizer mit kroatischen Wurzeln merkte schnell, dass er etwas vergessen hatte: die Aufstellung zum gemeinsamen Mannschaftsfoto. Rakitic wird sich an solche Gepflogenheiten vermutlich schnell gewöhnen, andere Gewöhnungsprozesse werden wohl etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen.

Zweimal hat Schalke bisher an der Champions League teilgenommen, und weil sich die Mannschaft stets mit einer Auftaktniederlage früh der Chance auf den Einzug ins Achtelfinale beraubt hatte, wollte sie es diesmal unbedingt besser machen. Das Vorhaben misslang: 0:1 unterlagen die Schalker dem FC Valencia, dem wohl ärgsten Konkurrenten um Gruppenplatz zwei. „Wir können es nicht ändern“, sagte Präsident Josef Schnusenberg.

Für die Zuschauer in der Arena war es ein frustrierendes Erlebnis. „Wir Spieler haben uns riesig auf die Champions League gefreut“, sagte Halil Altintop. „Wenn ich ehrlich bin, habe ich mir mehr von den Fans erhofft.“ Der Stürmer war vom eigenen Anhang ausgepfiffen worden, weil er sich gegen seinen Gegenspieler Miguel nie durchsetzen konnte, viele Bälle verlor und somit zum Sinnbild für die Schalker Unterlegenheit wurde. Es ist schon eine Crux: Ein ganzes Jahr arbeitet ein Verein wie Schalke auf einen solchen Abend hin, und dann genügt ein einziges Spiel, um gleich ein paar Grundsatzdebatten loszutreten. Doch es wäre deutlich verfrüht, aus dem quälenden Spiel gegen Valencia einen generellen Trend abzuleiten. „Valencia ist ja schon eine Mannschaft in Europa“, sagte Schnusenberg. Die Schalker wollen das erst noch werden. In der Bundesliga stellen sie inzwischen eine feste Größe dar; in Europa aber sind sie immer noch – ein Nichts.

Jeder Spieler kommt anders mit dieser Herausforderung klar. Heiko Westermann, der bis zum Sommer noch für Bielefeld gespielt hat, bestritt in der Innenverteidigung eine überragende Partie – und doch war er an der Szene beteiligt, die das Spiel letztlich entschied. Nach einem langen Pass von Miguel fand sich Westermann im Laufduell mit David Villa wieder, er sah, dass Manuel Neuer aus seinem Tor kam, zum Ball ging und hielt sich entsprechend zurück. Die Schalker waren in Überzahl, zwei gegen einen, aber den Ball erwischte Villa. „Jeder Spieler bei uns hat eine hohe Qualität“, sagte Valencias Ersatztorhüter Timo Hildebrand. „Da macht ein Fehler den Unterschied.“ Es war nur ein Tick, den Villa eher am Ball war als Neuer. Aber es war genau der Tick, der die nationale Spitze in der Bundesliga von der internationalen Klasse in Europa scheidet. „Das macht er einfach klasse“, sagte Ivan Rakitic. „Es ist wirklich kein Wunder, dass so ein Mann 50 Millionen wert ist.“ Villas Ablösesumme ist sogar mit 126 Millionen Euro festgeschrieben.

„Man hat gesehen, dass die schon mal öfter in der Champions League spielen“, sagte Gerald Asamoah. Die Überlegenheit der Spanier lag in einer Mischung aus Erfahrung, Cleverness und individueller Klasse begründet. Einige Schalker klagten hinterher über fehlendes Glück. Vielleicht sollte man sie einfach in diesem Glauben lassen.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 20.09.2007)
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